Norman Fosters neuester Museumsbau

1. Mai 2001, 23:02
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Prähistorisches Museum in der südfranzösischen Schlucht Gorges du Verdon

Paris - In der gewaltigen südfranzösischen Schluchten- Landschaft Gorges du Verdon hat der britische Stararchitekt Sir Norman Foster das größte prähistorische Museum Europas geschaffen. Der zweistöckige Bau wurde am Samstag eröffnet. Die archäologischen Schätze werden auf 4.274 Quadratmeter Fläche ausgestellt. Das Museum passt sich ganz und gar der Umwelt an. "Das Gebäude ist fast muschelförmig. Es hat eine nach innen gewölbten Fassade, die sich dem Hügel anschmiegt, der das Museum an seiner nördlichen Seite begrenzt. Dadurch hat man den Eindruck, als wären Hügel und Museum miteinander verwachsen", meint Henry de Lumley, Direktor des Naturkundemuseums in Paris.

Es steht dort, wo "die Geschichte der Menschheit beginnt"

"Das Museum ist beispielhaft, es lässt unsere Geschichte wieder aufleben", schreibt Frankreichs Presse, die die neue Einrichtung in "Museum unserer Vorfahren" umgetauft hat. Das "Musee de Prehistoire des Gorges du Verdon" liegt am Rande des 350 Einwohner großen Dorfs Quinson, das zwischen Aix-en-Provence und Digne liegt. "Hier beginnt die Geschichte der Menschheit. In der Region Alpes-de-Haute-Provence gibt es Beweise für die Existenz des Homo erectus vor ungefähr einer Million Jahre", erklärt Henry de Lumley.

Mit seinen Lieblingsmaterialien Beton, Glas und Eisen errichtet

Das 66,2 Millionen Franc teure Gebäude ist überwiegend aus Beton, Glas und Eisen - die bevorzugten Materialien des "Lieblingsarchitekten der Welt", wie der "Daily Telegraph" den 1990 von der Englischen Königin geadelten Foster nennt. "Der Entwurf des Museums ist einfach. Er spielt auf die bescheidenen prähistorischen Höhlen und den natürlichen Flusslauf des Verdons an", erklärt der 65-jährige Foster, der 1998 das weltweit größte Bauprojekt entwarf, den Flughafen von Hongkong.

100.000 Besucher werden noch für 2001 erwartet

Ob er Bushäuser entwirft oder Wolkenkratzer - Fosters Konstruktionen sind großzügig, ökonomisch und funktionell. "Dieses Museum bietet keine Ton- und Lichtveranstaltungen und auch keine Nachbildungen nach dem Beispiel der Lascaux-Höhle. Die Sammlung ist umfangreich und selten. Wir hoffen auf 100.000 Besucher noch in diesem Jahr", verkündet der Regionalpolitiker Jean-Louis Bianco. Eine Hoffnung, die durchaus in Erfüllung gehen könnte - jedes Jahr ziehen die Schwindel erregenden Tiefen der Gorges du Verdon und die lieblichen Düfte der Provence mehr als eine Million Touristen an. (APA/dpa)

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