Rechnungschaos bei Telekom-Firma MCN

1. Mai 2001, 13:50
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"Einige hundert Mahnungen" irrtümlich verschickt

Zu einem "Rechnungschaos" ist es bei der im Ausgleich befindlichen Telekom-Firma MCN Millennium Communication Network AG (Wien) des Millennium Tower-Bauherrn Georg Stumpf gekommen. Einige hundert Kunden haben im April Mahnungen für Rechnungen bekommen, die sie bereits beglichen hatten. Am 8. Mai soll indes auf der MCN-Hauptversammlung ein Kapitalschnitt beschlossen werden.

Gegenstandslos

"An ein paar hundert Kunden, die ihre März-Telefonrechnungen bereits bezahlt hatten, deren Zahlung aber bedingt durch den acht- bis zehntägigen Banklauf noch nicht bei der MCN eingelangt waren, sind fälschlicherweise Mahnungen geschickt worden", erläuterte MCN-Vorstand Otto Peter Arbeiter am Montag. Diese Mahnungen könnten von den Kunden als gegenstandslos betrachtet werden.

Die MCN, die derzeit monatlich rund 9 Mill. S (654.056 Euro) fakturiere, habe Außenstände in Höhe von knapp 39 Mill. S, die durchschnittliche Außenstandsdauer der Forderungen betrage vier Monate, berichtete Arbeiter. Daher habe die MCN eine Anwaltskanzlei beauftragt, Mahnungen an 15.000 Kunden zu verschicken. Bei 5.000 MCN-Kunden habe man keine Mahnungen verschickt, da der offene Rechnungsbetrag weniger als 150 S betrage und sich der Aufwand einer Mahnung nicht lohne.

Geld zurück

Jene rund 20 Kunden, die trotz bereits bezahlter Rechnung der Mahnung gefolgt sind und ihre Rechnung fälschlicherweise ein zweites Mal bezahlt haben, bekämen ihr Geld zurück oder die bezahlte Summe gutgeschrieben, betonte Arbeiter. Künftig würden Mahnläufe so angesetzt, dass Verzögerungen im Zahlungseingang nicht mehr ins Gewicht fallen, so Arbeiter.

Die MCN will zur Deckung der Verluste am 8. Mai das Grundkapital von 5,40 Mill. Euro um 5,33 Mill. Euro auf 70.000 Euro herabsetzen. Die Kapitalherabsetzung erfolge durch Herabsetzung des auf die einzelne Stückaktien entfallenden anteiligen Betrags des Grundkapitals auf 1 Euro sowie durch die Zusammenlegung dieser Stückaktien. Das herabgesetzte Kapital soll anschließend um 3,64 Mill. Euro (49,5 Mill. S) wieder erhöht werden. Diese Kapitalerhöhung in Höhe von 50 Mill. S sei auch für die Ausgleichserfüllung notwendig, sagte Arbeiter.

Ausgleichstagsatzung

Wie berichtet war der MCN-Ausgleich bei der Ausgleichstagsatzung im Handelsgericht Wien Ende März von den Gläubigern mit großer Mehrheit angenommen worden, nachdem für die rund 500 Gläubiger ein verbessertes Ausgleichsangebot ausgehandelt worden war. Die Gläubiger werden nun bereits kurzfristig eine Teilquote in Höhe von 20 Prozent erhalten, die restlichen 20 Prozent sind innerhalb von 18 Monaten zu bezahlen. Die 500 Gläubiger, darunter rund 100 MCN-Mitarbeiter, hatten Forderungen von insgesamt 525 Mill. S (38,2 Mill. Euro) angemeldet. (APA)

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