Straßenschlachten in Manila

1. Mai 2001, 10:37
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Mehrere Tote - Ausnahmezustand erklärt - Festnahme von Oppositionsführern angeordnet

Manila - Die philippinischen Behörden haben die Festnahme mehrerer Oppositionsaktivisten angeordnet. Nach Polizeiangaben sind davon auch zwei Senatoren, ein ehemaliger Polizeichef und zwei amtierende Generäle betroffen. Ihnen werde vorgeworfen, zu den blutigen Gewaltausbrüchen in der Nacht vor dem Präsidentenpalast in Manila angestiftet zu haben, sagte ein Polizeivertreter am Dienstag. Nach Angaben des Polizei-Nachrichtendienstes wurde bereits mindestens ein General festgenommen. Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo erklärte wegen der Unruhen für die Hauptstadt einen polizeilichen Ausnahmezustand.

Nach Angaben eines Präsidentensprechers kann die Staatschefin damit der Armee die Unterdrückung des Aufstandes befehlen. Durch ihre Anordnung darf die Polizei mutmaßliche Aufrührer ohne Haftbefehl festnehmen, überdies können auch die Streitkräfte Polizeiaufgaben übernehmen. Der Präsidentensprecher betonte aber, dass die Regierungsgewalt nicht an Polizei und Militär übergehe.

Demonstranten durchbrachen Armeesperre

Mehr als 20.000 Anhängern des Ex-Präsidenten Joseph Estrada war es nach Rundfunkberichten in der Nacht gelungen, eine Armee-Sperre rund einen Kilometer vor dem Palast zu durchbrechen. Dort kam es schließlich über Stunden zu gewalttätigen Zusammenstößen. Demonstranten durchbrachen die Absperrungen und versuchten, den Zaun des Palastes zu überwinden. Die Sicherheitskräfte gaben Warnschüsse ab und setzten Tränengas ein.

Bei den gewaltsamen Demonstrationen wurden mindestens vier Menschen, zwei Polizisten und zwei Demonstranten, getötet. Macapal Arroyo sagte, die beiden Polizisten hätten den Präsidentenpalast in Manila bewacht und seien von Demonstranten getötet worden. Das Fernsehen zeigte zudem Bilder von einem Protestierer, der durch einen Kopfschuss getötet wurde. 24 Demonstranten und zwölf Sicherheitskräfte seien zudem verletzt worden, teilte die Polizei in Manila mit. Mindestens 20 Menschen wurden festgenommen.

In der Früh war Estrada von der Polizei aus einem Krankenhaus der Regierung abgeholt und in ein Spezialgefängnis 50 Kilometer außerhalb Manilas gebracht worden. Der 64-Jährige hatte sich zu Untersuchungen seit Samstag in der Klinik aufgehalten. (APA/dpa/AP)

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