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1. Mai 2001, 22:27
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Apokalypse abgesagt: Der New Yorker Slam-Poetry-Künstler Saul Williams

Die Apokalypse muss bis auf weiteres abgesagt werden: Der New Yorker Slam-Poetry-Künstler Saul Williams und sein wort- gewaltiges Debüt "Amethyst Rock Star"


Das mit dem Weltuntergang können wir uns erst einmal abschminken. Zwar rechnet der New Yorker Poet Saul Williams fest damit, dass unsere Zivilisation, bevor sie sich endlich in durchaus näher definierter Zukunft als solche bezeichnen darf, zuvor kinntief ins Chaos schlittern wird. Neben den als bekannt vorausgesetzten Ursachen wie religiösem Fanatismus, Rassismus und der vor allem im Ausland Menschen und ihre Rechte verachtenden, als Außenpolitik getarnten US-Weltwirtschaftseroberung vor allem auch verantwortlich dafür:

1. Präsident George Dabbeljuh Bush: "Es ist lustig, denn es ist offensichtlich, dass er ein Arsch ist." 2. Puff Daddy: "Bush wurde gewählt, weil Puff Daddy das bestverkaufte Album des Jahres hat. Wenn Puff Daddy nicht so erfolgreich wäre, wäre Bush nicht im Amt." 3. Die Krise und der drohende Ausverkauf des HipHop: "Niemand nutzt das Potenzial des Mediums. Wenn du dir anschaust, wie mächtig HipHop ist, wie viele Leute dir zuhören, warum solltest du Zeit damit verschwenden, Sachen zu sagen wie: Ich bin die coolste Person auf Erden? Wenn du die Aufmerksamkeit aller hast, ist das alles, was du ihnen zu sagen hast?" 4. Die nicht nur bezüglich Punkt 3 weitgehende Missachtung des Wortes als gefährliche Waffe: "Wenn du nicht aufpasst, betreten Worte deinen Körper, und du glaubst diesen Scheiß. Wenn wir behaupten, etwas sei wesentlich, wird es erst wesentlich."

Da aber die von Saul Williams durchaus auch chaotisch, aber beherzt interpretierte Chaostheorie besagt, dass aus der Unordnung naturgemäß wieder Ordnung entstehen muss, geht es ihm auf seinem ersten musikalischen Frontalangriff vordringlich um eines: Man muss präventiv im Hier und Heute zumindest Vorbereitungen dafür treffen, dass, wenn uns demnächst also schon die Scheiße bis zum Hals stehen werden wird, wir zumindest dieselbe Begriffsdefinition dafür verwenden. Wahrscheinlich ist es nicht ganz unwesentlich zu erwähnen, dass Saul Williams einen in Brooklyn wirkenden Prediger zum Vater hat. Am Anfang war das Wort. Und natürlich der

Sound. Woraus besteht der Mensch? Wort. Blut. Beats.

Belauschen wir den aus der Slam-Poetry-Schule hervorgegangenen Mann, der auch im Film erfolgreich ist (sein Drehbuch für den autobiografischen Spielfilm Slam erhielt 1998 die Goldene Palme von Cannes, gerade arbeitet er mit Kevin Spacey an King of L. A.), bei einem Interview mit der deutschen Zeitschrift Spex über die Technik von Williams, Worte etymologisch abzuleiten: "Nimm zum Beispiel das Wort ,Person'. Du kannst es von (lateinisch) ,per sonare' herleiten. Demnach sind wir ,beings of sound'. Wenn wir uns also in erster Linie als solche bezeichnen, handeln wir nach ,sound vibrations'. Als Personen müssen wir also alle Aufmerksamkeit auf das richten, was wir in Worte fassen."

Unter dem atemberaubenden, wie eine Flutwelle über den Hörer brechenden Predigersermon von Williams hat der zuletzt mit Johnny Cash in Erscheinung getretene Produzent Rick Rubin auf Amethyst Rock Star nervöse Breakbeats, bedrohliche Streichorchester-Samples und wilde Stromgitarren gelegt, die die Atmosphäre zusätzlich aufladen. Eigentlich ist dieses Manifest in jeder Hinsicht zu viel. Eigentlich ist das gut so.
(DER STANDARD/RONDO, Print-Ausgabe, 27. 4. 2001)

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Von
Christian Schachinger

LINK
saulwilliams.com

Saul Williams live
am 5. Mai
Wiener Flex

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