Wochen, in denen es kritisch wird...

17. Mai 2001, 21:29
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Wien - Festwochen des Abschieds: Ein letztes Mal präsentierten die Programmdirektoren Hortensia Völckers (Tanz) und Klaus-Peter Kehr (Musik) zusammen mit Neointendant Luc Bondy ein Programm der Wiener Festwochen, das heuer unter dem Motto Vom 11. Mai bis 18. Juni wird's kritisch steht. Nach einer Laudatio auf den scheidenden Kulturstadtrat Peter Marboe und dessen Sekretär Boris Marte stellte Völckers auch das (in keinem Zusammenhang mit der Abschiedslaudatio) stehende Projekt du bist die welt vor.

Dabei handelt es sich um "24 Episoden über das heutige Leben", die im Wiener Künstlerhaus in Form von Film, Theater, Ausstellung und interdisziplinären Projekten abgehandelt werden. Die Architekten Anne Lacation und Jean-Philippe Vassal gestalten den Schauplatz.

Theatermann Luc Bondy (zu Marboe: "Wir werden weiter reden, als wärest du noch Stadtrat - was aber nicht gegen den Neuen, den ich begrüße, gerichtet ist!") meinte: Die Interpretationen einer Welt, "in der die Themen dschungelartiger geworden sind", stünden im Mittelpunkt seines Programms. Der Bogen reicht von Richard Foremans Now That Communism is Dead My Life Feels Empty bis zu der Uraufführung von Biljana Srbjanovic' Supermarket.

Besonderes empfahl Bondy Peter Brooks Projekte (die Pariser Hamlet-Inszenierung und das Stück Le Costume) und Klaus Michael Grüber (er inszeniert Bernard-Marie Kol- tès' Roberto Zucco). Das Gegenstück zu den alten Regieherrn: Die Leonce und Lena-Inszenierung der Münchner Sebastian Georg Hirn. Noch mehr Theater: Brechts Puntila erscheint als One-Man-Show von und mit Einar Schleef, Frank Castorf beschäftigt sich mit Dostojewskis Die Erniedrigten und die Beleidigten. Nicht zu vergessen Shockheaded Peter, eine Junk-Oper-Version des Struwwelpeter.

Im Zentrum der Musiktheaters steht die fast 20-stündige Chinesische Oper Mudan Ting, welche in drei Blöcken gezeigt wird. Daneben präsentiert man noch mit der Volksoper die Uraufführung der Ofenbauer-Oper SzenePenthesileaEinTraum und Nonos Intolleranza (Inszenierung Günter Krämer). Ergänzt wird das Programm durch Schönbergs Erwartung, die Haydn-Oper Die Feuersbrunst, Karl-Wieland Kurz' gute miene böses spiel und eine Neuinszenierung von Mozarts Figaro. Die Festwochen-Eröffnung vor dem Rathaus bestreiten die Symphoniker.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 4. 2001)

Von
Ljubisa Tosic

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