Pressefreiheit 2000 weltweit bedroht

5. Mai 2001, 19:44
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32 Journalisten getötet - 74 inhaftiert

Im Jahr 2000 wurden nach Angaben der Organisation "Reporter ohne Grenzen" (Reporters sans frontieres - RSF) weltweit 32 Journalisten getötet, 74 Medienvertreter waren wegen ihrer Arbeit inhaftiert oder Folter ausgesetzt. "Noch nie war die Arbeit der Reporter, Journalisten, Publizisten so sehr beengt, bedroht wie heute", warnte die Österreich-Sektion der Organisation am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien anlässlich des bevorstehenden "Tages der Pressefreiheit" am 3. Mai. Im aktuellen Jahresbericht der internationalen Journalisten- und Menschenrechtsorganisation wird erstmals auch Österreich kritisch erwähnt.

Getötet wurden Journalisten im Zuge ihrer Arbeit laut der in Paris ansässigen Organisation in Bangladesch, Brasilien, Kolumbien, der Demokratischen Republik Kongo, Georgien, Guatemala, Haiti, Indien, im Kosovo, in Mosambik, Pakistan, den Philippinen, Russland, Sierra Leone, Somalia, Spanien, Sri Lanka, der Ukraine und Uruguay. Inhaftiert waren Medienvertreter in Burma, China, den Komoren, Kuba, der Demokratischen Republik Kongo, Ägypten, Äthiopien, im Iran, Irak, in Libyen, Niger, Pakistan, Ruanda, Syrien, der Türkei, Turkmenien, Usbekistan, Vietnam, Kuwait, Nepal und Tunesien.

Dunkelziffer liegt höher

Die geschäftsführende Vorsitzende der Österreich-Sektion von "Reporter ohne Grenzen", Rubina Möhring, betonte, dabei handle es sich bloß um registrierte Fälle, die geschätzte Dunkelziffer liege deutlich höher. "Hunderte werden verfolgt, über Tausenden wird ihre Arbeit nahezu unmöglich gemacht." Besonders gefährdet sei die Pressefreiheit nach wie vor auf dem Balkan, konstatierte Möhring, ebenso in zahlreichen Ländern Afrikas, in Südamerika, China und der Türkei. Bedroht würden Medien nicht nur durch autoritäre Regime und kriminelle Organisationen, sondern auch durch die zunehmende Medienkonzentration, sagte Franz C. Bauer, Präsident der Journalistengewerkschaft.

Während in Europa die Machtwechsel in Kroatien und Serbien in diesen Ländern zu einer Verbesserung für Medienschaffende geführt hätten, befinde sich die Pressefreiheit in allen Ländern der früheren Sowjetunion mit Ausnahme der baltischen Staaten "im Sturzflug", heißt es im der Jahresbericht 2001 von "Reporter ohne Grenzen". Erwähnt werden etwa der Krieg in Tschetschenien und damit verbundene Versuche der Medienkontrolle in Russland, "brutale" Einschränkungen für Journalisten in Weißrussland und die Ermordung von regierungskritischen Journalisten in der Ukraine.

In der Türkei registrierte "Reporter ohne Grenzen" weniger Angriffe auf die Pressefreiheit als in den vergangenen Jahren, die Situation dort bleibe aber "Besorgnis erregend". In Frankreich seien Enthüllungsjournalisten angeklagt worden, weil sie ihre Informationsquellen bei Recherchen über die Finanzskandale der Parteien nicht preisgaben, kritisierte die Organisation. In den Niederlanden sei ein Journalist aus denselben Gründen 19 Tage inhaftiert gewesen.

"Das Land, das den Vogel abschießt, ist zweifellos Nepal", hält der Bericht der Organisation fest. Radiostationen müssten per Regierungsverordnung seit Jahresbeginn nicht nur ausschließlich offizielle Nachrichten verbreiten, sondern auch ihre Berichte eine Woche vor der geplanten Ausstrahlung dem Informationsministerium vorlegen. (APA)

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