Tirol nicht zu stoppen

29. Juni 2000, 18:04

Die Mannschaft von Kurt Jara steuert nach dem 4:2 gegen Rapid unbeirrt auf den Herbstmeister-Titel zu.

Wien - Die Saison 1999/2000 könnte zum Jahr des FC Tirol Innsbruck werden. Denn am Samstag tat die Mannschaft von Kurt Jara zumindest einen großen Schritt in Richtung Herbstmeistertitel der Fußball- max.Bundesliga. Die Tiroler schlugen Rapid in einem spannenden, guten und am Ende hektischen Spiel in Wien mit 4:2 (2:1) und bauten den Vorsprung in der Tabelle damit auf acht Punkte aus.

Darüber hinaus beendeten die Innsbrucker die zweite "schwarze Serie" gegen Rapid. Mit dem Sieg in der ersten Runde war der erste Erfolg nach 24 Spielen eingefahren worden, jetzt war man auch auswärts erfolgreich, wo es mit dem 3:2 am 28. April 1993 den letzten Sieg vor der Negativ-Serie gegen die Hütteldorfer gegeben hatte.

Rapid anfangs überlegen

Dabei begann Rapid, wie es Trainer Heribert Weber versprochen hatte: Offensiv. Mit Wagner, Lagonikakis und Savicevic gab es einen Drei-Mann-Sturm, darauf konnten sich die Tiroler nicht einstellen. Die Hütteldorfer erspielten sich Chance um Chance. In der vierten Minute schoss Lagonikakis nach Savicevic-Stanglpass drüber, in der fünften rettete Prudlo vor dem Motenegriner, in der sechsten war Tschertschessow bei einem Wagner-Freistoß zur Stelle.

Kurt Jara reagierte, zog nach fünf Minuten Wazinger in die Abwehr und damit stellte sich Tirol besser auf Rapid ein. Vorerst allerdings ohne Erfolg: Denn in der zehnten Minute hechtete Hatz eine Dowe-Flanke aus fünf Metern per Kopf ins Netz. Damit aber war das Rapid-Feuer vorerst erloschen, langsam begann die brandgefährliche Konter-Maschinerie der Tiroler zu laufen.

Erste Tiroler Chance, erstes Tor

Mit der ersten Chance gab es auch den Ausgleich: Gilewicz schoss nach Knavs-Flanke ein, erzielte damit in Runde elf auch seinen elften Treffer. Die Jara-Elf blieb auch in der Folge gefährlicher und ging in Führung. Gilewicz spielte Anfang frei, der keine Mühe hatte, den im Herauslaufen stehen gebliebenen Ladislav Maier zu überheben (35.).

Auch nach dem Wechsel änderte sich an der Charakteristik des Spieles nichts, Tirol stand sicher und war in Kontern gefährlich. Das 3:1 besorgte aber Ex-Rapidler Zoran Barisic nach einer Stunde mit einem seiner Freistöße. Weber reagierte, nahm Savicevic aus dem Spiel, wurde dafür aber von den Fans mit "Weber-Raus-Rufen" bedacht, die Rapid-Viertelstunde wurde ebenfalls nicht eingeklatscht.

"Weber-Raus!"

Trotzdem kamen die Grün-Weißen aber noch ein Mal heran, Wagner war per Kopf nach Penksa-Flanke zur Stelle (84.). Damit wurde die Partie aber noch hektisch, Schiedsrichter Hänsel hatte vor allem nach einem Disput rund um Rene Wagner, der Tschertschessow attackiert hatte, alle Hände voll zu tun. Der FC Tirol machte aber noch alles klar: Der gerade eingewechselte Mair wurde herrlich freigespielt, seinen Querpass drückte Jezek zum 4:2 ins leere Tor.

Heribert Weber: "Über weite Strecken kann ich meiner Mannschaft nichts vorwerfen. Aber nach dem 1:0 haben wir zwei so naive Konter- Tore bekommen. Wenn man solche Tore bekommt, kann man so ein Spiel nicht gewinnen. Das Tor zum 1:1 fiel aus heiterem Himmel, bis dahin waren wir sehr gut, aber der Ausgleich hate einige zurück geworfen. Der Freistoß zum 1:3 hat uns dann das Genick gebrochen. Savicevic hat heute nicht gut gespielt, auch hat er sich nicht gescheit aufgeführt."

Kurt Jara: "Wir haben heute sehr gut gespielt, vor allem nach dem schnellen Rückstand. Nach dem 1:1 waren wir körperlich und geistig voll da. Rapid schlägt man in Wien nicht jeden Tag 4:2. Nach dem 0:1 haben wir die Herausforderung angenommen, das ist unsere Stärke, das ist unser Selbstvertrauen."


Rapid Wien - FC Tirol Innsbruck 2:4 (1:2). Hanappi-Stadion, 14.300, Hänsel.

Torfolge: 1:0 (10.) Hatz 1:1 (28.) Gilewicz 1:2 (35.) Anfang 1:3 (60.) Barisic (Freistoß) 2:3 (80.) R. Wagner 2:4 (94.) Jezek

Rapid: Maier - Wimmer, Schießwald, Zingler, Hatz - Heraf, Dowe, Wetl (45. Schwarz) - Savicevic (66. Penksa), R. Wagner, Lagonikakis

Tirol: Tschertschessow - Barisic - W. Kogler, Prudlo, Wazinger (86. Hafner) - Kirchler, Scharrer (93. Mair), Knavs, Anfang - Gilewicz (84. Köck), Jezek

Gelbe Karten: Savicevic, Hatz, Schwarz, R. Wagner bzw. Kirchler, Prudlo, Barisic, Scharrer. (APA)

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