"Die Klavierspielerin" fährt an die Croisette

9. Mai 2001, 23:30
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Drei heimische Beiträge schafften es sensationell ins Festival

Wien/Paris/Cannes - Von einer "Sensation" sprach man - durchaus zu Recht - bei der Austrian Film Commission: Drei heimische Filmproduktionen wurden heuer bei den 54. Filmfestspielen in Cannes in die offizielle Auswahl aufgenommen.

Michael Haneke wird mit seiner Adaption von Elfriede Jelineks Roman Die Klavierspielerin im Wettbewerb um die Goldene Palme antreten; Jessica Hausner zeigt ihre Wiener Milieustudie Lovely Rita in der Reihe Un Certain Regard; und Ruth Mader präsentiert in der Nachwuchsschiene Cinefondation einen Kurzfilm mit dem bezeichnenden Titel Null Defizit.

Haneke, von dem in den letzten Jahren bereits Funny Games und Code inconnu für den Wettbewerb an der Croisette nominiert wurden, ist dem Vernehmen nach optimistisch, für die Klavierspielerin zumindest eine Palme für beste Darsteller zu erhalten. Der Jurypräsidentin Liv Ullmann könnte der mit Isabelle Huppert und Annie Girardot hochkarätig besetzte Film entgegenkommen. Andererseits treten heuer besonders interessante Filmemacher um die Palme d'or an:

Jean Luc Godard (Eloge de l'amour), Jacques Rivette (Va savoir) und Manoel de Oliveira (Je rentre à la maison) lassen auf große Alterswerke hoffen. Das amerikanische Kino ist etwa mit Joel Coen (The Man Who Wasn't There) und David Lynch (Mulholland Drive) ebenso exzellent repräsentiert wie die fernöstliche Cinephilie: Taiwans Auteur Hou Hsiao-Hsien zeigt den Millennium Mambo; und für Japan bilden etwa Altmeister Shohei Imamura (De l'eau tiède sous un pont rouge) und Jungautorenfilmer Shinji Aoyama die Rahmen eines denkbar breiten Schaffensspektrums. Besonders gespannt darf man auf den jüngsten Film des Italieners Nanni Moretti, La stanza del figlio, sein.

Eröffnet wird der Wettbewerb bekanntlich mit Baz Luhrmanns Musical Moulin Rouge. Es gibt weiters Gerüchte, dass in Cannes - außer Konkurrenz - erste Ausschnitte aus Peter Jacksons Tolkien-Adaption Der Herr der Ringe präsentiert werden.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 4. 2001)

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