Auch der Schutz gegen die Sonne fördert Krebs

2. Mai 2001, 10:35
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Chemkalien lassen Krebszellen schneller wachsen

Zürich/Wien - Schöne Aussichten: Sonnenlicht verursacht Hautkrebs, Sonnenschutzmittel lassen den Krebs dann schneller wachsen. Letzteren Zusammenhang haben Wissenschafter des Instituts für Pharmakologie der Universität Zürich in Tierversuchen herausgefunden: Sie testeten sechs gängige Chemikalien auf ihre hormonelle Wirkung.

Chemkalien, die eine ähnliche Wirkung wie das Östrogen haben, sind in vielen Sonnenschutzmitteln - etwa in Cremes oder Lippenstiften - üblich, so Margaret Schlumpf. Die Wissenschafterin testete mit ihren Kollegen sechs Stoffe, fünf davon blockieren das UV-B - den aggressiveren Anteil des ultravioletten Lichts -, einer das UV-A. Alle fünf UV-B-Schützer verhielten sich im Labor ähnlich wie Östrogen, das weibliche Geschlechtshormon. Sie ließen Krebszellen schneller wachsen, drei davon verursachten auch Entwicklungsstörungen bei Tieren. Lediglich beim UV-A-Schutz fanden die Wissenschafter keine hormonelle Wirkung.

Vom heftigen Effekt

Einen besonders heftigen Effekt stellten die Schweizer Forscher für den häufig verwendeten Stoff "4-MBC" fest. Mit Olivenöl gemixt und auf die Haut von Ratten aufgetragen ließ er die Gebärmutter von weiblichen Ratten vor der Pubertät doppelt so schnell wachsen wie normal. "Das war besonders Besorgnis erregend, weil wir Konzentrationen benutzten, die sich im Bereich der erlaubten Dosis für Sonnencremes bewegten", so Schlumpf.

Die Forscher verweisen vor allem auf die möglichen Wirkungen der Chemikalien auf die Umwelt. So sei nachgewiesen worden, dass sich "4-MBC" in Fischen anreichert, die in Badeseen leben. Schlumpf forderte weitere Forschungen bezüglich rund 25 Chemikalien, die in Sonnencremes eingesetzt werden. Auch bei diesen seien hormonelle Wirkungen möglich. Das Hauptproblem hormonell wirkender Chemikalien - so genannter Endocrine Disruptors - besteht darin, dass diese bereits in Konzentrationen Auswirkungen auf Organismen zeigen, die unter der Nachweisgrenze der Analytiker liegen. (APA)

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