"Ich möchte erleben, dass meiner Tochter einmal alle Möglichkeiten offen stehen"

17. Mai 2001, 13:43
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Doris Doblhofer, Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Equality Management

„Wer Audit Equality Management macht, macht Chancen gerechte Personalpolitik“, erklärt Doris Doblhofer das Beratungskonzept für Unternehmen, das sie gemeinsam mit einer Kollegin vor rund zweieinhalb Jahren entwickelt hat. „Equality“ steht für „Equal Opportunities“: „Dabei geht es sowohl um die Verbesserung der Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen, als auch um die gesteigerte Ressourcennutzung, die damit einhergeht.“

Als externe Beraterin führte Doblhofer das Audit bereits in einem Pilotprojekt mit sechs großen österreichischen Unternehmen durch. Dabei wurden sieben Handlungsfelder, wie z.B. frauenspezifische Maßnahmen, mittels Fragebogen und Interviews erhoben, dokumentiert und präsentiert. Die Ergebnisse wurden dann im Unternehmen diskutiert und in gemischten Arbeitsgruppen mit Vertretern aller Betriebs-Ebenen in Projektform bearbeitet. Dabei stellte sich u.a. heraus, dass Männer und Frauen in den verschiedenen Bereichen sehr unterschiedliche Einschätzungen haben und dass auch Männer mit Problemen kämpfen: „In bestimmten Verantwortungsbereichen ist es auch für Männer schwierig, ihre Chancen wahr zu nehmen“, sagt Doris Doblhofer. „Zum Beispiel, wenn sie in Karenz gehen möchten oder Teilzeitarbeit in Führungspositionen anstreben.“ Mit Equality Management wolle man daher einerseits Ungleichheiten für Frauen ausgleichen, aber auch dezidiert Männer ansprechen.

Nach dem Audit können die Unternehmen ihre Ergebnisse einer Jury vorlegen, die dann die Auszeichnung mit dem „Equality-Inside-Label“ vorschlägt. Nach außen hätte diese Auszeichnung für den Betrieb verschiedenste Bedeutung: „Arbeitnehmer und – nehmerinnen schauen zum Beispiel immer mehr, ob Unternehmen Gleichberechtigung ernst nehmen – das wird bei der Kunden – und Fachkräfteauswahl immer wichtiger“, so Doblhofer. Außerdem könne man gute Leute damit besser halten.

Besonders stark setzt sich die Beraterin bei ihrer Arbeit für die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf ein: „Ich sage absichtlich Privat,- und nicht Familienleben, weil nicht nur Kinder der Anknüpfungspunkt sind, sondern Privatleben grundsätzlich, egal ob man damit Familie, Laufen gehen, oder was auch immer meint – das ist unternehmensintern besonders zwischen denen, die Kinder haben und denen, die keine haben ein wichtiger Diskussionspunkt.“ Niemand könne 14 Stunden und mehr durcharbeiten und Unternehmer müssten künftig mehr auf dieses überschüssige Output ihrer Mitarbeiter achten: „Die zukünftigen Arbeitskräfte werden immer mehr schauen, ob sie einen 16-Stunden-Tag mit ihrem Privatleben vereinbaren können.“

Die feministische Grundhaltung der engagierten Mutter von fünf (!) Kindern zwischen 7 und 16 Jahren ist besonders stark in ihrem eigenen Privatleben zu spüren, denn: „Bei uns ist der Mann der Hauptverantwortliche für Haushalt und Kinder und die Frau bringt das Geld heim.“ Für ihren Mann, der immer schon viel Verantwortung übernommen hätte, sei es nicht leicht, ganz von der Frau abhängig zu sein: „Ich kann zwar Karriere machen, aber für ihn ist es nicht sehr Image fördernd, ausschließlich zu Hause zu sein, denn in unserem Umfeld gibt es kaum Männer in ähnlichen Situationen.“ Dafür sei er für Frauenthemen viel offener. Sätze wie „Hast Du einen tollen Mann!“ nimmt sie eher gelassen, denn: „Umgekehrt sagt auch niemand extra zu einem Mann, dass er eine tolle Frau daheim hat.“ Sie sieht ihre Situation als Beitrag zum Thema Chancengleichheit: „Erst, wenn auch Männer bereit sind, die gleiche Verantwortung und die Aufgaben von Frauen zu übernehmen, kann sich wirklich etwas verändern.“

Das wünsche sie sich ganz besonders für ihre Kinder: „Ich möchte meine Tochter dabei beobachten, wie ihr und ihren Freundinnen alle Möglichkeiten offen stehen für eine berufliche Entwicklung, wie sie es sich wünschen. Ich möchte erleben wie ihr Partner genau so viel Verantwortung übernimmt in der Betreuung ihrer Kinder, dass Partnerschaft auch heißt, alle Aufgaben gemeinsam zu tragen und zu bewältigen, in einem offenen Dialog vereinbart, wer wofür und für welchen Zeitraum zuständig ist. Ich möchte sehen, dass sie das gleiche Geld verdient wie ihre gleich qualifizierten Kollegen und Top-Führungspositionen natürlich auch in Teilzeit angeboten werden.“ Und: „Meine Söhne möchte ich erleben als genau solche Partner und Kollegen, denen selbstverständlich ist, dass Frauen die gleichen Chancen und Qualifikationen haben und Geschlecht kein Kriterium bei der Auswahl für wichtige Funktionen und Aufgaben ist.“

Isabella Lechner

Das ausführliche Interview mit Doris Doblhofer finden Sie hier: „In der Art der Beziehungen zu den KundInnen macht es einen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau die Beratung durchführt."

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