Lange Zähne auf das kommende R.E.M.-Album

5. Mai 2001, 17:18
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Die Single ist heraußen ... und sie schmeckt nach mehr

"That sugar cane
that tasted good
that's cinnamon
that's Hollywood ..."

... es ist einer der eingängigeren Refrains, die da seit letzter Woche auf MTV laufen: "Imitation of Life", die neue Single von R.E.M. Fröhlich byrdesk, die Bitternis hinter süßen Sixties-Harmonien verbergend - ein neues "Shiny happy People", so der Tenor der ersten Reaktionen. Und doch ist die Single-Auskoppelung nur bedingt repräsentativ für das kommende neue Album von R.E.M. - "Reveal" wird es heißen.

Wieder hat Pat McCarthy, der auch für das großartige Album "Up" von 1999 verantwortlich zeichnete, produziert. Die Band sieht das neue, 13., Studioalbum aber eher in der Tradition des Mega-Sellers "Automatic for the people". Soll heißen: es enthält eine größere Bandbreite an Sounds als das ebenso homogene wie melancholische "Up" es tat.

Harmonielastige Songs im Spannungsfeld zwischen Byrds und Beach Boys gibt es neben der Single noch zwei weitere, der Großteil des Albums folgt jedoch komplexeren Soundstrukturen. Diesmal sind auch wieder rockigere Klänge enthalten - ohne freilich so weit zu gehen wie das eher missglückte Rock-Experiment "Monster". Und wiederum stark präsent: die elektronischen Züge - seit "Up" perfekt in den "klassischen" R.E.M.-Sound der 80er Jahre eingefügt und auf "Reveal" - bei aller Dezenz, mit der sie eingesetzt werden - gar nicht mehr wegzudenken.

Wer keinen RealPlayer oder dergleichen am Computer hat und darauf hoffen muss, zufällig im TV über das Video zu "Imitation of Life" zu stolpern, der möge Ausschau halten nach einer Pool-Party, die merkbar an Peter Sellers "Partyschreck" aus den 60ern erinnert. Michael Stipe hat schon immer größten Wert auf die visuelle Wirkung der R.E.M.-Videos gelegt, und hier hat Regisseur Garth Jennings (der unter anderem auch schon für Blur, Pulp und Fatboy Slim gearbeitet hat) ein kleines Meisterwerk vorgelegt: Eine sinnverwirrende Zusammenstellung aus etwa 20 Mini-Szenen, die sich parallel zueinander abspielen, dabei permanent vor- und zurückgespult werden und selbst nach wiederholtem Ansehen noch nicht vollständig erschlossen sind.

Bono Vox von U2 hat das Album ebenfalls bereits gehört. Und gibt zähneknirschend zu, dass R.E.M. seine schärfsten Konkurrenten im Wettkampf um die "beste Band der Welt" sind und bleiben. "Reveal" wird ihren Status eindrucksvoll untermauern. (Josefson)

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