Von Gurus und Scharlatanen

31. Mai 2001, 11:27
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Warum den Powerseminaren die Luft ausgeht

Westliches Erfolgsdenken lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: "Du kannst alles erreichen, du musst dir nur klare Ziele setzen, Ausdauer und Motivation entwickeln und die nötigen Techniken kennen - und die lernst du nur durch dieses Buch, Seminar usw." Der Markt für Persönlichkeitsseminare verlangt nach immer neueren und schrägeren Produkten, die Ihren vorläufigen Höhepunkt in den Powerseminaren fanden: Dort verkündeten drei Gurus drei Themen à la "Du kannst alles erreichen", "Charisma in zwei Tagen" oder "Von der Ameise zum Adler". Zusätzlich gab es ein Handy und die Chance eine Karibikreise zu gewinnen. Der Lerneffekt: Am Anfang haben die Supertrainer die Erfahrung und die Firmen die Teilnehmergebühren - am Ende des Seminars ist es meist umgekehrt.

Zu komplexe Persönlichkeitsmuster

Die Persönlichkeitsmuster von Menschen sind viel zu komplex, um sie selbst in einem hervorragend gestalteten Seminar grundlegend verändern zu können. Menschen haben nicht nur eine Persönlichkeit, die mit Rezepten und unserem Verstand verändert werden kkann, sondern mehrere "Ichs", die im Wettstreit miteinander stehen.

Weisheitslehren

Die Beschäftigung mit den alten Weisheitslehren der Menschheit zahlt sich aus. Von Siddharta Gautama bis zum strengen Ignatius von Loyola, von den großen griechischen Philosophen bis zur Kabbala zeigt sich, dass Persönlichkeitsentwicklung ein lebenslanger Weg der Suche ist. Das tägliche Laufen mit einem Lächeln im Gesicht oder das einmalige, Blasen am Fuß generierende, über Kohlen, kann dabei genauso hilfreich sein wie der Rückzug für eine Woche ins Kloster oder eine Wüstendurchquerung. Als ein Schritt auf Ihrem persönlichen Weg der Weiterentwicklung - nicht als einmalige Ersatzhandlung. - Und der Besuch von Seminaren? Und das Lesen von Erfolgsbüchern?

Tipp

Absolut, ja! Aber wählen Sie unbescheiden die besten der Welt. Kenneth Blanchard, der Autor vom "One-Minute-Manager", Tom Peters oder Warren Bennis sind ihr Geld absolut wert. Zum Schluss mein persönlicher Coaching-Tipp: erst ein Executive-Programm in Harvard und dann vier Wochen durch Tibet trecken. Kostet zwar eine Menge Geld, bietet aber die Chance auf "Totale Erleuchtung inklusive Mehrwertsteuer", irgendwo am Weg ...

Von Dr. Andreas Salcher, Executive-Trainer, Topmanagement-Coach und Mitbegründer und ehrenamtlicher Leiter der Sir Karl Popper Schule
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