Eiskalte Meisterschaft

2. Mai 2001, 14:25
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Zwischen den ganz speziellen Bergen Grönlands bestreiten ganz spezielle Golfer eine ganz spezielle WM

Eine Kathedrale? Mitnichten. Der Pilot des Helikopters ist eine extra steile Kurve geflogen, doch was Annika Östberg jetzt unter sich sieht, ist keine Kathedrale, sondern ein riesiger, kurios geformter Eisberg. Der Helikopter wird in wenigen Minuten landen, er bringt Annika Östberg und andere nach Uummannaq, zu einem Abenteuer der eher ungewöhnlichen Art.

Uummannaq liegt in Grönland, 590 Kilometer nördlich vom Polarkreis, und hat 2711 Einwohner. Das klingt nicht unbedingt nach Action, doch man soll sich da nicht täuschen, in Uummannaq ist immer was los. Ende März zum Beispiel stiegen hier die grönländischen Meisterschaften im Schlittenhunde-Fahren, zur großen Freude der Gastgeber hat mit Edvard Samuelsen ein "Local" gewonnen, sein Schlitten und seine Hunde setzten sich zum dritten Mal in Folge gegen 41 andere Schlitten und 600 andere Hunde durch.

Oder gerade eben die dritte WM im Eisgolfen. Sie ist der Grund für die Grönland-Reise von Annika Östberg, Fräulein Annika hat nämlich ein Gespür für Eis, im Vorjahr löste sie den Engländer Peter Masters als Nummer eins der Welt ab, heuer hat sie den Titel cool verteidigt. Spielberechtigt war im Prinzip jeder mit einem Handicap unter 36, freilich wurden dann nur 27 SpielerInnen zur WM zugelassen, sie kamen aus Großbritannien, Skandinavien, Südafrika, Deutschland und den USA.

Neu in dieser Eisgolf-Saison: Für ein Hole in One war eine Prämie von einer Million US-Dollar ausgesetzt, Hauptsponsor Drambuie hätte sich nicht lumpen lassen, freilich wurde das Hole ein ums andere Mal verfehlt. Zum Trost gab's Likör, dazu durften nur 20.000 Jahre alte Eiswürfel ins Glas. Was das Eis betrifft, würden sich ja unendlich viele Gläser ergeben, es, das Eis, geht niemals aus, dafür sorgen sieben Gletscher in der näheren Umgebung.

Ein Eisberg entsteht, wenn der Gletscher den Ozean trifft, die "Kathedrale" bedeutet da keine Ausnahme. Die Natur ist letztlich auch der Architekt des Golfkurses draußen im Fjord vor der Stadt. Dort schmilzt das Eis im Mai und im Juni, ab Februar friert es wieder, der Kurs sieht deshalb jedes Jahr anders aus, gleich ist nur die Anzahl der Löcher, neun sind es an der Zahl. Während einer WM werden zwischen den Eisbergen vier Runden gedreht, Östberg benötigte 157 Schläge.

Die Regeln sind den Gegebenheiten angepasst, das Grün ist ein Weiß, dafür ist der Ball nicht weiß, sondern pink, und ein Loch ist doppelt so groß wie, nur um ein aktuelles Beispiel herzunehmen, ein Loch beim US-Masters. Der Golfer muss in Grönland nicht feiner, aber besser angezogen sein als in Augusta, das schreibt weniger das Reglement vor als die Temperatur. Anfang April hat's um die zehn Grad, minus, versteht sich, trotzdem ist's oft recht angenehm, weil trocken und heiter wie meistens im Jahr (2000 Sonnenstunden).

Verfehlt wäre es, Eisgolfen einen Trend zu nennen, in Wahrheit ist der Sport Jahrhunderte alt. Ein Bild des Malers Aert van der Neer (1603-1677) zeigt lustige Niederländer, die auf einem zugefrorenen Kanal dabei sind, mit Schlägern einen Ball in ein Loch zu befördern - "Kolven" ist dieses Spiel damals genannt worden. In Uummannaq ging's und geht's vergleichsweise sportlich zur Sache, zwei der neun Löcher sind 410 und 430 Meter lang.

Das Jahr über wird der Platz von Touristen bespielt, der Fremdenverkehr ist seit geraumer Zeit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region Uummannaq. Ansonsten leben die meisten Menschen vom Jagen und Fischen, viele sind dabei mit Schlitten oder Kajaks unterwegs. Straßenverkehr sieht in Grönland anders aus als im Rest von Dänemark. Die Hauptstadt Nuuk (13.000 Einwohner) ist stolz auf einen Kreisverkehr und eine Fußgängerampel, doch Uummannaq ist nicht Nuuk.

Übrigens empfiehlt sich für Grönland, das die dort Heimischen "Kalaallit Nunaat" (das Land der Menschen) nennen, der Frühling als Reisezeit. Wer die Sonne anbetet wie sonst nichts, der kann auch zwischen Mitte Mai und Ende Juli nach Uummannaq kommen, da scheint sie täglich den ganzen Tag. Nachtaktive mögen zwischen Ende November und Ende Jänner einchecken, wenn es außer dunkel nur dunkel ist. Fritz Neumann

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