Das Mutterbild

11. Mai 2001, 00:52
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"Produkt Muttertag" - Eine Ausstellung im Museum für Volkskunde zur rituellen Inszenierung des Festtages "Muttertag"

Der Muttertag - eine funktionierende Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichem Bereich - Projektionsfläche gesellschaftlicher Grundhaltungen, Interessen und Ideale. Ein scheinbar harmloser gesellschaftlich akzeptierter und kommerzialisierter Festtag, der ein "nur scheinbar" konstantes Mutterbild zum "scheinbaren" Mittelpunkt des Festes erhebt/erhöht.

Bereits 1644 wurde in England zum ersten Mal vom "Mothering Day" berichtet. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er verstärkt in England gefeiert, um 1900 wurde der Muttertag dann in Amerika als offizieller Feiertag eingeführt. Eine Frauenrechtlerin aus Philadelphia startete am 9. Mai 1907 anlässlich des Todestags ihrer Mutter eine Werbekampagne für den "Muttertag". 1909 wurde der Muttergedenktag bereits in 45 amerikanischen Bundesstaaten offiziell begangen und 1914 vom amerikanischen Kongress zum offiziellen Feiertag erklärt. Schnell kam es zur kommerziellen und geschäftsbringenden Ausschlachtung des Ehrentags.

Nach dem zweiten Weltkrieg setzte sich dieser Brauch ganz allmählich auch in Europa durch. In Deutschland wurde der Muttertag 1923 zum ersten Mal offiziell gefeiert, und 1933 zum Feiertag erklärt. 1924 war es auch in Österreich soweit. Die Ausstellung "Produkt Muttertag" im Museum für Volkskunde fächert nun die Geschichte dieses "Ehrentages der Mutter" von 1923 bis 2001 auf. Filme, Lieder, Ansprachen, aktuelle Interviews und Geschenke bilden ein Kaleidoskop von Muttertagsprodukten. Künstlerlnnen setzen sich kritisch mit dem "Festtag" und dessen Instrumentalisierung für Propaganda auseinander - zb: die Arbeit "Geriatric Pharmaton", ein Vitalitäsgeschenk - natürlich mittels Arzneimittel.

Der Muttertag war von Beginn an politisch motiviert. Er wurde oft von Propagandastrategen gebraucht um die ideale Gesellschaftsordnung zu postulieren - um die "erfüllende'" Mutter/Hausfrau-Rolle zu manifestieren. Ein Aspekt der durch die zunehmende Kommerzialisierung keineswegs aufgehoben wurde, mensch denke nur an die typischen Muttertagsgeschenke ...

(pd)

Diashow

Produkt Muttertag: Museum für Volkskunde - Gartenpalais Schönborn - 1080 Wien - Laudongasse 15-19 - Di-So: 10-17 Uhr - bis 4 Juni
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