OSZE will politischen Dialog "auf den Weg bringen"

30. März 2001, 15:08
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Militärische Situation "unter Kontrolle" - Weitere Beobachter werden entsandt

Wien - Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) will verstärkt versuchen, die derzeitige Situation in Mazedonien wieder in friedliche Bahnen zu lenken und einen politischen Dialog "auf den Weg bringen". Robert Frowick, amerikanischer Ex-Diplomat und langjähriger OSZE-Experte in Osteuropa bzw. auf dem Balkan, erklärte auf einer Pressekonferenz am Freitag in Wien, noch hänge nach den Kämpfen "der Rauch in der Luft", aber die gegenwärtige Situation biete auch die Chance, nach dem, was er einen "teilweisen Zusammenbruch" nannte, einen effektiven Dialog über mehr Gleichberechtigung für die albanische Bevölkerungsgruppe zu transportieren.

Der Leiter der OSZE-Mission in Skopje, Carlo Ungaro, berichtete am Rand der derzeitigen Sitzung des Ständigen OSZE-Rates in Wien vom Beschluss, bereits in den kommenden Tagen weitere Beobachter nach Mazedonien zu schicken, während Frowick für die OSZE den politischen Dialog im Land in Gang bringen soll. Militärisch hält Ungaro nach der Offensive der mazedonischen Armee die Lage derzeit für "absolut unter Kontrolle".

Der amtierende Vorsitzende des Ständigen OSZE-Rats, der rumänische Botschafter Liviu Bota, erklärte, dass für den geplanten Besuch der OSZE-Troika - bestehend aus der österreichischen Außenministerin Benita Ferrero-Waldner und ihren Amtskollegen aus Rumänien und Portugal - in Mazedonien noch kein konkretes Datum vorliege.

Robert Frowick war in der Vorwoche vom derzeitigen OSZE-Vorsitzenden, dem rumänischen Außenminister Mircea Geoana, zu dessen persönlichem Vertreter für Mazedonien ernannt worden, um an einer friedlichen Lösung des Konfliktes mitzuarbeiten. Der US-Diplomat hat bereits erste Gespräche mit der mazedonischen Führung hinter sich, über die er dem Ständigen OSZE-Rat in Wien berichtete. Er ortet das Bemühen der Regierung, das Land "in den Mainstream Europas" zu navigieren ebenso wie die Forderung der Albanerpartei DPA nach raschen und greifbaren Verbesserungen für die albanische Bevölkerung Mazedoniens.

Auf die Frage, wie er die zeitliche Perspektive seiner Bemühungen, die er in enger Kooperation mit EU und NATO verstanden wissen will, einschätzt, antwortete Frowick: "Nicht Jahre, aber wohl länger als Wochen."

Robert Frowick ist seit 1999 Berater des US-Präsidenten und -Außenministers für die Umsetzung des Dayton-Abkommens. Seit seiner Ernennung zum Botschafter 1986 war er u.a. Koordinator des NATO-Jubiläumsgipfels 1998/99, Chef zahlreicher OSZE-Delegationen in ganz Osteuropa und 1995-97 OSZE-Botschafter in Bosnien-Herzegowina. Der ehemalige US-Airforce-Pilot hatte bereits zuvor eine langjährige Karriere als Diplomat an verschiedenen US-Botschaften in Europa, als Pentagon-Berater und zuletzt 1982-86 als politischer Berater der US-Botschaft zur NATO in Brüssel hinter sich. (APA)

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    foto: standard/cremer
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