Neue Entsorgungsmöglichkeit für PVC

28. März 2001, 12:32
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In Frankreich werden die Kunststoffreste unter hoher Temperatur verdampft und können recycelt werden

Tavaux - Innovative Technologie im Kampf gegen PVC-Anfälle: In einer Pilotanlage im Solvay-Werk im französischen Tavaux werden die Kunststoffreste unter hoher Temperatur verdampft. Dabei entsteht unter Zugabe von Sand bei rund 1.400 bis 1.500 Grad aus Chlor Salzsäure, die schließlich wieder in den Produktionskreislauf für PVC (Polyvinylchlorid) eingeschleust wird, wie Unternehmens- und Branchenvertreter in Tavaux berichteten.

Durchschnittlich soll die PVC-Abfallmenge nach dem Durchlauf durch das neuartige System des rohstofflichen - sprich: chemischen - Recyclings auf etwa ein Viertel reduziert werden. Dabei handelt es sich vor allem um Schlacke, die möglichst umweltneutral sein soll, sowie Filterstäube und Salzrückstände. Neben der Salzsäure kann, so Wilfried Schmitt von der Firma Vestolit (Deutschland), so genanntes Synthesegas aus Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (H2) wiederverwertet werden.

Kapazität

Die Pilotanlage bei Solvay hat eine Jahreskapazität von 1.000 Tonnen PVC-Abfall. Die Projektkosten belaufen sich laut ECVM (European Council of Vinyl Manufacturers), dem Dachverband der europäischen Vinyl-Hersteller, auf 3,1 Millionen Euro (42,7 Mill. S) und werden zu 80 Prozent von den ECVM-Mitgliedsfirmen aufgebracht. Je zehn Prozent steuern das Vinyl Institute der USA sowie die Firma Linde KCA bei. Von Linde - Spezialisten für technische Gase - stammt auch das Anlagenkonzept.

Hintergrund der verstärkten Bemühungen der europäischen PVC-Industrie, marktreife Recycling-Techniken zu entwickeln, sind die Bestrebungen der EU zur Reglementierung des chlorhältigen Kunststoffes. Daher wurde eine "freiwillige Vereinbarung" mit klaren Zielen für den Ausbau des Recyclings von PVC bis 2010 eingegangen.

Neben dem werkstofflichen Recycling, das sich allerdings realistischer Weise nur für möglichst sortenreine Abfallfraktionen eignet (Fenster, Rohre, Fußböden, Dachbahnen, Kabel, Planen) steht die rohstoffliche Verwertung für Verbundwerkstoffe zur Diskussion, wie sie in Tavaux getestet wird. Mischkunststoffe, die sich mit einem vernünftigen Aufwand nicht trennen lassen, sollen in die "energetische Verwertung" (= Verbrennung) gehen, so die Pläne der ECVM.

Laufzeit

Der Versuchsbetrieb in Tavaux mit verschiedenen PVC-Abfällen (Kabel, Rohre etc.) ist bis Mitte nächsten Jahres angesetzt. Dabei sollen nicht nur die optimalen Prozessvarianten ermittelt werden, sondern auch die Kosten. Auf Basis dieser Daten ist laut Schmitt eine Grundsatzentscheidung über den Bau einer solchen Anlage nach dem Linde-Verfahren mit einer Jahreskapazität von rund 25.000 Tonnen Abfällen geplant. Diese könnte ab 2005 in Betrieb gehen.

Die ersten Modellrechnungen haben allerdings ergeben, dass bei dem Verfahren eine "Zuzahlung" von rund 2.800 Schilling pro Tonne Abfall nötig sein werden, gegenüber 1.400 Schilling bei der Müllverbrennung, wie Rolf Bühl, Umweltmanager der ECV (European Vinyls Corporation, Brüssel), informierte. "Dafür 'liefert' die Technik aber auch mehr als die Müllverbrennung", betonte der Fachmann.

Weiteres Verfahren

Gleichzeitig wird im Solvay-Werk im italienischen Ferrara unter dem Prozess-Namen "Vinyloop" ein anderes innovatives PVC-Recyclingverfahren optimiert: Hier wird der Kunststoff von Kabelummantelungen mit Lösemitteln ab- und aufgelöst, was mit Shreddern allein nicht sortenrein gelingt. Die erste kommerzielle "Vinyloop"-Anlage für PVC-Kabel - Jahreskapazität 10.000 Tonnen - soll Anfang 2002 in Ferrara den Betrieb aufnehmen, sagte Helmuth Leitner, der aus Salzburg stammende Verantwortliche für sämtliche Kunststoffprodukte von Solvay in der Konzernzentrale in Brüssel. (APA)

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