TeleTrader geht ambitionslos an die Wiener Börse

27. März 2001, 15:27

"Der erste Aktienkurs wird sich nach Angebot und Nachfrage richten"

Wenig ambitioniert und optimistisch (Zitat: "bin ich auch nicht") zeigte sich der Vorstandsvorsitzende der kurz vor dem Börsegang stehenden Wiener TeleTrader.com Software AG, Christian Baha, anlässlich des bevorstehenden Börsestarts seines auf Finanzsoftware spezialisierten Unternehmens. "Beim derzeitigen Umfeld kann ich keine Aktienempfehlung abgeben, da würde ich schon eher einen Quadriga-Hedge-Fonds empfehlen", sagte Baha, der auch Gründer und Miteigentümer der auf Termingeschäfte und derivative Finanzkontrakte spezialisierten Quadriga Beteiligungs- und Vermögens-AG ist, heute, Dienstag, in Wien.

"Möglichst breite Streuung"

Ab Donnerstag werden bis zu 20,68 Prozent der zugelassenen 5,1 Mill. Inhaberaktien - das sind 1,054.680 Aktien - des Anbieters von Börsensoftware und Produkten für Finanzportale am Specialist Market der Wiener Börse erhältlich sein. Die Aktien mit der Wertpapier-Kennnummer 071385 repräsentieren einen anteiligen Betrag am Grundkapital von 1,0 Euro und stammen aus dem Privatbesitz von Baha, der sich eine "möglichst breite Streuung" der Aktien unter privaten und institutionellen Anlegern erwartet.

Als Specialist und Market Maker fungiert die Centro Internationale Handelsbank AG. Die Lockup-Periode, also die Frist, innerhalb derer das Management keine Aktien verkaufen darf, beträgt laut Baha zwei bis fünf Jahre.

Neben Baha, der zusätzlich noch über eine Privatstiftung 57,65 Prozent hält, sind die Beko Holding mit 10 Prozent, die Sparkasse Schwaz mit knapp 3 Prozent und der Wiener Neustädter Glasfasernetzbauer Memorex-Telex mit rund 2,5 Prozent beteiligt. Die restlichen 6,3 Prozent entfallen auf andere.

"Angebot und Nachfrage"

Die Handelsaufnahme erfolgt ohne vorherige Preisfindungsphase, das heißt, ein öffentliches Angebot findet erst am ersten Handelstag statt. "Der erste Aktienkurs wird sich nach Angebot und Nachfrage richten", so Baha. Ein Aktienkurs unter 0,88 Euro - aliqout zur derzeitigen Eigenkapitalquote von rund 88 Prozent - wäre aber eine Enttäuschung, deutete Baha an.

TeleTrader-Chef Baha begründet den Börsegang hauptsächlich mit der Einführung eines Mitarbeiter-Beteiligungsmodells zur Bindung und Rekrutierung neuer, hochqualifizierte Mitarbeiter. Der TeleTrader-Aufsichtsrat habe bisher den Rückkauf von 300.000 Aktien für diesen Zweck genehmigt. Laut Baha sei das Rückkaufprogramm langfristig ausgerichtet und werde auch von der Höhe des Aktienkurses abhängen.

Als weiteren Grund für den jetzigen Börsegang nennt Baha die Möglichkeit, derzeit günstig bewertete Hightech-Unternehmen aus dem Content- und Softwarebereich über Aktientausch zu übernehmen. Für Anleger biete sich durch den Börsegang zudem eine frühzeitige Beteiligungsmöglichkeit in einem frühen Stadium der Unternehmensentwicklung an. Ein weiterer Grund sei der Aufbau eines starken Markennamens ("Branding"), führte Baha aus. (APA)

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    grafik: photodisc
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