Pop-Retro-Look

27. März 2001, 13:46

Kultautor Douglas Coupland kommt nach Wien - "Generation X"-Autor liest am Donnerstag bei "Literatur im März"

Wien - Dem Kanadier Douglas Coupland (39) gelang mit seinem Buch "Generation X" 1991 etwas, wovon vermutlich jeder Autor träumt: Er wurde praktisch über Nacht weltweit bekannt. Doch seither wurde er immer wieder als gleichsam offizieller Sprecher für Jugendkultur missverstanden und stets an seinem ersten Bestseller gemessen. Mit "Miss Wyoming", seinem soeben in deutscher Übersetzung erschienen neuen Roman, aus dem der Autor am Donnerstag im Rahmen von "Literatur im März" mit dem Thema "Geld" in Wien lesen wird, ist ihm endlich ein unübersehbarer literarischer Neuanfang gelungen. Ironischerweise handelt das Buch gerade davon: vom Neuanfang.

Liebevolle Erinnerungen

Die zwei Hauptfiguren des Buches, der Ex-TV-Serien-Star Susan Colgate und der Actionfilm-Produzent John Johnson, hatten beide einen Neustart versucht - Colgate nach einem Flugzeugabsturz, den sie als einzige überlebte und nach dem sie für ein komplettes Jahr untertauchte, und Johnson, der sich von einem Leben als Landstreicher innere Läuterung versprach. Wollte auch Coupland sein "Generation X"-Vorleben bewusst hinter sich lassen? "Ich denke eigentlich immer daran, zu verschwinden", gesteht der Autor im Mail-Interview mit der APA, "aber natürlich niemals aus der Generation X. Für mich war das nie etwas anderes als ein Buch, das ich geschrieben habe und für das ich liebevolle Erinnerungen habe."

Negierung

Bisher hat Coupland mit der totalen Negierung allen literarischen Handwerks gepunktet, begeisterte mit vollkommenem Handlungsstillstand und eingeschobenen Worterklärungen, in "Miss Wyoming" greift er nun auf einen echten Plot zurück und versteht es, die Handlungsstränge durch Rückblenden raffiniert zu verschränken. Nachdem der Kanadier sich schon in seinen bisherigen Büchern (nach "Generation X" erschienen "Shampoo Planet", "Life after God", "Mikrosklaven", "Amerikanische Polaroids" und "Girlfriend in a Coma") jeweils einer spezifische Bevölkerungsgruppe gewidmet hatte, nimmt er nun in "Miss Wyoming" das Film- und Showgeschäft aufs Korn. Da ist natürlich nur ein Schauplatz denkbar: Los Angeles. "Seien wir ehrlich, natürlich wird man immer Orte finden, an denen die Probleme eine Million Mal schlimmer sind als in Hollywood", meint Coupland, "aber in der seltsamen psychischen Umwelt der Film- und TV-Kultur sind manche Dinge eben besonders ausgeprägt. Die Themen und Probleme, denen sich meine Figuren ausgesetzt sehen, werden in den kommenden Jahrzehnten auch den Rest der Welt betreffen."

Heftige Kämpfe

Die Figuren in "Miss Wyoming" haben alle heftig zu kämpfen: Zunächst, um in das Räderwerk um Geld, Sex, Ruhm, Macht und Anerkennung hineinzukommen, danach um dem Hamsterrad wieder zu entkommen. "Ich denke schon, dass man von all diesen erstrebenswerten Dingen zu viel bekommen kann", meint Douglas Coupland, der heilfroh ist, trotz seines Status als Kultautor nicht vergleichbaren Bekanntheitsgrad zu genießen wie manche seiner Freunde aus der Film- und Showbranche: "Alle sagen sie, dass sie sich, wenn sie könnten, es niemals wieder aussuchen würden, berühmt zu sein. Das menschliche Wesen wurde nicht dafür gemacht, überall von anderen Mitgliedern seiner Spezies erkannt zu werden." Seine Figuren streben vor allem nach Geborgenheit, nach menschlicher Wärme, nach Familienanschluss.

Coupland dagegen strebt nach Neuland

Das Autorendasein genügt ihm nicht mehr. Er besinnt sich immer stärker auf sein Studium von Design, Industrie-Design und Bildhauerei und entfaltet vielfältige Aktivitäten, die auf seiner originell gemachten Homepage im Pop-Retro-Look dokumentiert sind. Eine Möbelkollektion hat er ebenso entworfen wie MTV-Spots oder Werbung für "Absolut"-Wodka. In Deutschland (wo er 1961 auf einer Kanadischen Militärbasis geboren wurde) wurde soeben erstmals eine kleine Ausstellung seiner am Computer verfremdeten Fotocollagen gezeigt, demnächst ist eine Ausstellung von Objekten in New York geplant.

(APA)

Douglas Coupland liest am Donnerstag, 29.3., um 21 Uhr, im Rahmen von Literatur im März im WUK, Wien 9., Währingerstr. 59, aus "Miss Wyoming". Couplands-Homepage
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