Coladose trifft Biberbau in den Wiener Au

22. März 2001, 21:41

22. Bezirk - Donaustadt

Wien - Lautes Scheppern in der Au - Wiener Schüler, die Metallmüll in Alusäcke werfen. In mehrstündiger Arbeit haben sie Coladosen, leere Konserven, ja, selbst das Gestänge eines Radreifens aus dem gatschigen Frühjahrsanfangschnee geklaubt: Auputztag ist, mit Stadtrat Kurt Svihalek (SP) als Aufputz.

Der steht unterm grünen Regenschirm auf der Wiese vor dem Gebäude des NationalparkCampLobau und posiert für das Fernsehen. Im Hintergrund Vogelzwitschern und sanfte Latino- klänge: Svihalek wie er singt, auf CD, aus der Stereobox.

Der jährliche Auputztag, meint der Stadtrat, biete den Jungen die Möglichkeit "umweltbewusst zu denken und zu handeln". Eine Aktion, um Bewusstsein zu schaffen für das enge Nebeneinander urtümlicher Landschaft mit städtischem Siedlungsgebiet im 22. Bezirk.

Präzise ausgedrückt, besteht die Donaustadt - mit 102,3 Quadratkilometern der mit Abstand größte Bezirk Wiens - zu 22,5 Prozent aus Augebiet. Eine einmalige Situation, wie der Direktor des Nationalparks Donauauen, Carl Manzano erläutert: Ein Achtel der Gesamtfläche Wiens mit Nationalparkstatus, damit könne sonst keine Großstadt dienen.

Außer auf erlaubten Wanderwegen sollte diese Natur direkt vor der Haustür nicht betreten werden. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Nächtliche Moutainbiker, Querfeldein-Jogger und andere selbsternannte Vorposten der Zivilisation ließen sich auch "durch ständiges Ermahnen und große Stopp-Schilder, wie wir sie heuer aufstellen" nicht abschrecken, sagt Manzano.

Auch mit den Wiener Fischern, die sich eigene Wege zu den Gewässern bahnten und auf ihren angestammten Gewohnheiten bestünden, habe man so seine Schwierigkeiten, erzählt der Nationalparkdirektor während des STANDARD-Fototermins am Rand eines Auteichs: das idyllische Plätzchen war - wie in der Lobau so oft - nur auf einem Trampelpfad zu erreichen. Die Situation mit dem Arbeiterfischereiverband sei "unbefriedigend. Wir versuchen, von Jahr zu Jahr Verbesserungen zu erzielen".

Und die großen Projekte, die Grüne und Naturschutzorganisationen wie den World Wide Fund for Nature (WWF) auf den Harnisch bringen? Klar und deutlich Manzanos Meinung zum Donau-Oder-Elbe-Kanal: Dieser stehe zwar "derzeit nicht zu Diskussion", sei aber "mit dem Nationalparkstatus des Gebiets unvereinbar". Auch in Sachen Lobauautobahn samt sechster Donauquerung werde "aktuell nichts geplant.

Eine Tunnellösung durch die Lobau kann ich mir aber schwer vorstellen".

Im Gegenteil arbeite man derzeit an der Auflösung landwirtschaftlich genutzter Flächen auf Wiener Au-Gebiet: Mehr Au in die Lobau. "Schon dort hinten könnten Biber wohnen", meint Manzano mit einem Blick über Teich. So nah an der Straße? "Ist doch ziemlich abgeschieden hier", widerspricht er. (Irene Brickner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. März 2001)

  • Artikelbild
Share if you care.