Schleichende Revolution bei Raiffeisen

22. März 2001, 17:15

Geschäftsgruppen- Leiter Kraft-Kinz freut sich über 15.000 neue Bankkunden in Wien

Wien - Die Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien (RLB) hat allein im abgelaufenen Jahr 15.000 neue Kunden gewonnen und betreut nun insgesamt rund 120.000. Georg Kraft-Kinz, Geschäftsgruppenleiter für Privat- und Gewerbekunden, führt die überdurchschnittlichen Zuwachsraten auf die vermehrte Hinwendung seines Institutes zu gehobener Beratungstätigkeit, aber zum Teil auch auf die Fusionen der Konkurrenzinstitute in der letzten Zeit zurück.

Die Kunden würden zwar die Bank-Übernahmen selbst kaum als störend empfinden, reagierten aber überaus sensibel und nachhaltig, wenn etwa der gewohnte Betreuer nicht mehr da wäre oder Entscheidungswege plötzlich länger, komplizierter oder anders gestaltet würden, meint er im Gespräch mit dem Standard.

Keine neuen Filialen

Trotz der erfreulichen Zuwächse will die RLB aber nicht etwa durch die Errichtung neuer Filialen wachsen. "Das war die Strategie der 80er-Jahre, das bringt heute nichts mehr", meint der RLB-Filialchef. Geschäftsstellen würden im Schnitt an Bedeutung verlieren, da etwa der Zahlungsverkehr und der Verkauf von Standardprodukten wie etwa Sparbüchern immer mehr ins Internet verlagert werden und in Zukunft über PCs, Fernseher, Handys und andere elektronische Helfer erledigt würden. "Die durchschnittlichen Kundenfrequenzen in den Filialen gehen in den nächsten fünf Jahren sicher um rund ein Drittel zurück. Wir spüren das schon. Den Filialen kommen dann ganz andere Funktionen zu. Das ist eine schleichende Revolution hin zu qualitativ hochwertiger Beratung. Unsere Mitarbeiter erstellen eine finanzielle Lebensplanung für ihre Kunden und verkaufen nicht mehr nur einfach Produkte", skizziert Kraft- Kinz seine neue Unternehmensphilosophie.

Trotz Internets bleibe aber der Kontakt zu den Kunden die Priorität: "Vertrauen entsteht nicht elektronisch." Die Gründung einer Direktbank etwa ist deswegen bei der RLB kein Thema. (Michael Moravec, DER STANDARD, Printausgabe 23.3.2001)

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    foto: urban
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