Das geheimnisvolle Doppelleben des William Shakespeare

22. März 2001, 10:43

Hildegard Hammerschmidt-Hummel outet ihn als Krypto-Katholiken

Frankfurt/Main - Hinter Shakespeare verbirgt sich die Mutter Gottes - seit mehreren hundert Jahren. Erst eine Röntgenaufnahme brachte es ans Licht: Das so genannte "Flower- Porträt", das den englischen Nationaldichter William Shakespeare zeigt, ist auf ein Madonnenbild gemalt worden. Für die Mainzer Shakespeare-Expertin Hildegard Hammerschmidt-Hummel war das Röntgenbild Anlass für umfangreiche Forschungen. Heute ist die Anglistikprofessorin der Universität Mainz sicher: Shakespeare war katholisch.

Sich offen zum Papst und zur römischen Kirche zu bekennen, war zu Shakespeares Lebzeiten im protestantischen England gefährlich. Die katholische Kirche war verboten, die englische Krone hatte sich vom Papsttum losgesagt. Typisch katholisch aber ist die Verehrung Marias, der Mutter Gottes. Die Existenz eines Marienbildnisses im Umfeld des wohl bekanntesten englischen Dichters war für Hammerschmidt-Hummel ein Indiz für seine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche.

Sinn für populäre Themen

Die Professorin, die schon mit Aussagen über verwandtschaftliche Beziehungen zwischen William Shakespeare und Prinzessin Diana für Aufsehen sorgte, wühlte sich durch Dokumente in römischen Archiven, erforschte geheimnisvoll manipulierte Bilder, entschlüsselte versteckte Hinweise in zeitgenössischen Dokumenten. Ihre Forschungsergebnisse hat Hammerschmidt-Hummel in dem Buch "Die verborgene Existenz des William Shakespeare - Dichter und Rebell im katholischen Untergrund" (Herder Verlag/Freiburg, ISBN 3- 351-27417-5) veröffentlicht. Ende März kommt das 287 Seiten starke Werk in die Buchläden.

Die Autorin schildert ein filmreifes Doppelleben William Shakespeares. Nach der Ausbildung in einem katholischen Exil-Kolleg habe der Dichter als Mitglied einer katholischen Geheimorganisation im Untergrund Priester bei ihren verbotenen Missionsreisen durch England unterstützt. So soll er auch mitgeholfen haben, in London Priester zu verstecken und ihre Flucht zu organisieren. Mit seinem Testament hat er nach Überzeugung der Forscherin sogar dafür gesorgt, diese Fluchthilfe auch nach seinem Tod zu sichern. "Shakespeare leistete einen wichtigen Beitrag für den Fortbestand des blutig unterdrückten englischen Katholizismus."

Die verlorenen Jahre

Auch die so genannten "verlorenen Jahre" Shakespeares versucht Hammerschmidt-Hummel zu erhellen. Über die Zeit zwischen 1585 und 1592 mussten die Biografen bisher schweigen. Mindestens drei Mal sei Shakespeare in dieser Zeit in Rom gewesen - unter falschem Namen. Dass Shakespeare heimlich Katholik war, ist für die Professorin der Schlüssel zu den Geheimnissen seiner Biografie.

Warum es fast 400 Jahre dauerte, bis dieser Schlüssel gefunden wurde, kann Hammerschmidt-Hummel schnell erklären. Die blutige Verfolgung durch die englische Krone hätten Shakespeare und seine Mitstreiter zu größter Geheimhaltung gezwungen. (APA/dpa)

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    Das "Flower-Portrait"

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