Europäische Info-Stelle gegen Gewalt in Wien gegründet

21. März 2001, 18:58

Brauner übte scharfe Kritik an Förderungspolitik

Wien - Wien verstärkt seine Position als internationaler Knotenpunkt für Projekte gegen Männergewalt: Mit 1. Jänner 2001 hat die "Europäische Informationsstelle gegen Gewalt" ihre Arbeit aufgenommen. Ausgerichtet ist die Einrichtung vor allem auf die Reformländer in Mittel-und Osteuropa. Gewalt gegen Frauen und Kinder sei dort erst seit wenigen Jahren ein Thema, das Wiener Büro soll für Partnerschaften bei Organisation und Finanzierung sorgen, sagte Verena Kaselitz von WAVE (Women Against Violence Europe) heute, Mittwoch, bei der Präsentations-Pressekonferenz.

Die "Europäische Informationsstelle" ist ein Projekt der seit 1997 in Wien bestehenden Vernetzungsplattform WAVE, die wiederum zum Verein Autonomer Österreichischer Frauenhäuser gehört. Das Projekt ist für zwei Jahre mit 1,5 Mill. S (rund 109.000 Euro) dotiert. Die Mittel kommen zu 80 Prozent aus dem Daphne-Fördertopf der EU, den Rest übernehmen die Stadt Wien und der Bund.

Jede fünfte bis zehnte Frau betroffen

"Gewalt gegen Frauen ist ein internationales Problem", betonte Kaselitz. In Europa sei jede fünfte bis zehnte Frau zumindest einmal in ihrem Leben von Gewalt in einer Paarbeziehung betroffen. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass europaweit (ohne die ehemalige Sowjetunion) rund zwölf Millionen Frauen von häuslicher Gewalt betroffen seien. Durch die Info-Stelle sollen die nationalen Anti-Gewalt-Einrichtungen nun besser kooperieren und die gegenseitigen Erfahrungen nutzen können. Zusätzlich wird eine internationale Medien-Ansprechstelle geschaffen.

Die Wiener Frauenstadträtin Renate Brauner (S) hob bei der Pressekonferenz die Bedeutung des Kampfes gegen Gewalt an Frauen und Kindern als wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe hervor. Stolz zeigte sie sich auf das dichte soziale Netz, das Wien in diesem Bereich vorweisen könne. Für die neue europäische Informationsstelle sei sie "besonders dankbar". Brauner: "Wir können Wien damit zur frauenpolitischen Ost-West-Drehscheibe machen."

Helpline gegen Gewalt stark eingeschränkt

Kritik übte Brauner an der Förderungspolitik der Bundesregierung. Viele Frauenorganisationen müssten um ihr Überleben kämpfen, weil das zuständige Sozial- und Frauenministerium nicht die nötigen Mittel zur Verfügung stelle oder bei der Auszahlung bereits zugesagter Beträge säumig sei. So sei die 1998 von der damaligen Frauenministerin Prammer ins Leben gerufene einzige bundesweite "Helpline gegen Gewalt" aufgrund der neuen sparsamen Förderung in ihrem Wirkungsbereich stark eingeschränkt. Von den angesuchten 3,8 Millionen Schilling wurden der Initiative lediglich 2,6 Mio. für das Jahr 2001 in Aussicht gestellt. Beträge in dieser Größenordnung würden aber lediglich den Personalkostenaufwand der Helpline abdecken, keineswegs jedoch die in diesem Bereich so wichtige Bekanntmachung, sprich Werbung. Investitionen in Infrastruktur und Weiterbildung der höchstbeanspruchten Mitarbeiterinnen seihen ebenfalls unmöglich. Die Stadt Wien bekenne sich dagegen zu ihren Verpflichtungen. In Zukunft soll es laut Brauner für die Frauenorganisationen Mehrjahresverträge geben, das Ansuchen um Subventionen sei damit im Wiener Bereich nicht mehr jedes Jahr notwendig. (APA/red)

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