Asiatische Ingwergewächse kämpfen auf originelle Weise gegen Inzucht an

21. März 2001, 15:56

Die Blüten sind Hermaphroditen mit einem ausgeklügelten Zeitplan und hohen Verrenkungskünsten

London - Um Inzucht zu vermeiden, scheuen einige asiatische Ingwergewächse keinen Aufwand. Über die ungewöhnliche Vermehrung mehrerer Arten der Gattung Alpinia berichten der Botaniker Quin-Jun Li und seine Kollegen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in der britischen Fachzeitschrift "Nature".

Die Blüten der Kräuter sind Hermaphroditen, sie sind sowohl mit männlichen als auch mit weiblichen Geschlechtsorganen ausgestattet. Die Pflanzen machen aber nicht von beiden Möglichkeiten gleichzeitig Gebrauch, sondern folgen einem strikten Stundenplan: Ein Teil der Blüten, die sich allesamt nur für einen einzigen Tag öffnen, gebärdet sich vormittags als Männlein, nachmittags als Weiblein. Der zweite Blüten-Typ treibt es umgekehrt.

Dieses Kunststück erfordert eine beträchtliche Gelenkigkeit der Sexualorgane: Die erste Blütensorte gibt nur vormittags Pollen ab. Der weibliche Blütenteil, der Stempel, ragt derweilen hoch über die männlichen Staubgefäße hinaus und gelangt dabei nahe an die Blütenblätter. In dieser Position ist er für die Bestäubung durch Insekten unerreichbar.

Am Nachmittag wandelt sich die Präferenz: Der Stempel neigt sich und kann in dieser Position leicht befruchtet werden. Zu diesem Zeitpunkt haben die Staubgefäße derselben Blüte ihr Pulver längst verschossen.

Dieser raffinierte Zeitplan gewährleistet, dass sich die Pflanze nicht selbst befruchtet. Nur der ständige Mix der Erbanlagen verschafft der Pflanzenart insgesamt ein größeres Potenzial, sich an verschiedene Umweltbedingungen anzupassen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.