Klassiker der Moderne

21. Mai 2001, 10:42
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Leonard Cohen - Songs of Love and Hate, Sony
"I stepped into an avalanche, it covered up my soul. When I not have this hunchback that you see, I sleep beneath the golden hill. You who wish to conquer pain, you must learn, learn to serve me well."

Abhängigkeit und Sehnsucht. Schmerz und Stigmatisierung. Erlösung? Nicht in diesem Leben. Derlei Einsichten offenbart 1971 Leonard Cohens drittes Album, Songs Of Love And Hate.

Avalanche heißt der Song und mit diesem wird Nick Cave 1984 sein erstes Album From Her To Eternity eröffnen. Doch wo Cave mit dem Zorn von Punk arbeitet, erzielt Cohen mit resignativer Distanziertheit Ähnliches. Dabei verschließt er sich der vom Cover angedeuteten klaren Sichtweise von Schwarz und Weiß, von Gut und Böse. Er durchstreift diffuse Graubereiche. Dort wo Gar-nicht-gut und Ganz-böse zu Hause sind, widmet er sich detaillierten Beobachtungen, um diese mit gequälter Stimme wiederzugeben: Er thematisiert den Albtraum des Vietnam-Krieges genauso wie etwa subjektives Scheitern im Song Love Calls You By Your Name - in dem Cohen die finalen Gedanken eines Selbstmörders streift. Düstere Streicher begleiten seine Akustikgitarre und prägen so den Album-Charakter. Nur zweimal bricht der damals 37-jährige Kanadier mit dieser Form: einmal in dem Folk-Pop-Song Diamonds In The Mine, einer hämisch rohen Abrechnung mit einer Frau, in der, wie oft bei Cohen, unterschwellige bis stark angeschwollene sexuelle Anspielungen auftauchen. Das zweite Mal in Sing Another Song, Boy, einer Live-Aufnahme, die Orgel und Klavier tragen.

Mit Joan Of Arc, einem Stück, das als eines von Cohens besten gehandelt wird, endet das Album: Es ist ein zynischer Schwanengesang, in dem Cohen das Feuer, das Joan of Arc verschlingt, als ihren letzten Liebhaber beschreibt: "When he was fire, she must be wood!" flu

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