Hunderttausende gratulierten der Maus zum 30. Geburtstag

18. März 2001, 23:08

"Wir sind die Maus"

Das Sandmännchen, Pumuckl, Samson aus der Sesamstraße und Hunderttausende Kinder mit ihren Eltern - sie alle sind am Sonntag nach Köln gekommen, um Deutschlands berühmtester Maus zum 30. Geburtstag zu gratulieren. Für das mehrstündige Spektakel sperrte die Stadt Köln die City rund um den Westdeutschen Rundfunk (WDR) - der von 650.000 Besuchern sprach - für den Autoverkehr. Auf drei Bühnen in der Nähe des Funkhauses tanzten und sangen Freunde der Maus und Mitarbeiter, die in anderen ARD-Anstalten Kindersendungen machen. Als Geburtstagsgeschenk gab es für die Maus und ihre vielen Millionen Fans eine einstündige Jubiläumssendung, an der rund 10.000 Kinder aus ganz Deutschland mitgewirkt hatten.

Bei Sonnenschein verfolgten zigtausende Kinder die Geburtstagsendung auf einer riesigen Leinwand vor dem Dom. Wie bei einem Popkonzert mussten die jungen Fans durch Absperrgitter auf Abstand zur Maus gehalten werden. Ausländische Mausfans konnten das Treiben rund um den Kinderliebling live im Internet verfolgen.

"Es gibt in der ARD keinen größeren Star als die Maus", lobte der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Fritz Pleitgen vor der Eröffnung des zehnten ARD-Kinderfestes den Nager. Mittlerweile habe die Maus Kultstatus erreicht. Etliche der kleinen Besucher reisten im Mauskostüm nach Köln, andere hatten sich Barthaare ins Gesicht gemalt oder die Maus zumindest als Plüschtier unter den Arm geklemmt. Auf die oft wiederholte Frage "Wen wollt ihr sehen?" schallte immer wieder wie ein Schrei "die Maus" zu den Bühnen zurück. Wie beliebt die orange Zeichentrickfigur mit den markanten sechs Barthaaren bei kleinen und großen Zuschauern ist, zeigten auch die vielen hundert Briefe und Pakete, die für das Geburtstagskind nach Köln geschickt worden sind. Ein Teil davon war im Foyer des Römisch-Germanischen Museums zu sehen.

An die Maus in Köln...

Als Adresse stand auf den Briefen und Paketen oft nur "Die Maus in Köln", berichtete Dörte Kaußmann, die beim WDR die Geburtstagswünsche bearbeitet hat. Angekommen ist die Jubiläumspost trotzdem. Sogar ein Brief mit selbstgemalter Briefmarke und Stempel landete auf Kaußmanns ihrem Schreibtisch. Nach den Feierlichkeiten kommen die gebastelten Glückwunschkarten ins "Mausoleum", einer Wanderausstellung über die Sendung.

Seit drei Jahrzehnten zieht die vorwitzige Zeichentrickfigur kleine und große Zuschauer in ihren Bann. "Die Sendung mit der Maus" erklärt mit "Lach-und Sachgeschichten" anschaulich den Alltag. Hier bekommen Kinder immer eine Antwort - gleich, ob die Frage lautet, wie die Löcher in den Käse kommen oder wie ein Auto gebaut wird. Darin sieht Armin Maiwald, einer der Mausregisseure der ersten Stunde, auch das Geheimnis ihres Erfolges: "Wir sind wahrscheinlich die Einzigen, die sich ernsthaft um Kinderfragen bemühen. Alle anderen machen nur Halligalli." Dabei kommt die Maus ganz ohne Worte aus. Der liebenswürdige Kinderstar klappert allenfalls mit den Augenlidern oder schnüffelt geräuschvoll umher. Ihre beiden Freunde, der kleine blaue Elefant und die freche gelbe Ente, antworten mit Tröten und Quaken. Die 30 bis 90 Sekunden langen Maus-Spots verbinden die einzelnen Geschichten einer Sendung miteinander. Bei der ZDF-Sendung "Wetten, daß..." am Samstagabend erkannte eine eingefleischte "Maus-Liebhaberin" die verschiedenen Maus-Spots allein an ihren Geräuschen.

Rund 1300 Folgen der beliebten Kinderserie wurden seit 1971 produziert. In über 80 Ländern tapst die Maus über die Bildschirme. Etwa 400 Autoren, Redakteure, Techniker und Kameramänner sorgen zurzeit dafür, dass der Maus auch weiterhin die Geschichten nicht ausgehen. Mit dem Konzept der Sendung haben die Macher schon zahlreiche Preise eingeheimst. Darunter ein Goldener Bambi und der Adolf-Grimme-Preis in Gold. Die Maus selber bekam schon das Bundesverdienstkreuz sowie einen Doktor Humoris Causa für ihre "interkulturelle Vermittlungsleistung" verliehen. Im März 1992 bewies sie sogar ihre Weltraumtauglichkeit als sie den deutschen Astronauten Klaus-Dietrich Flade zur russischen Raumstation Mir begleitete. In der Hitparade landete der unerschrockene Nager 1996 mit dem Lied von Stefan Raab "Hier kommt die Maus". Zum 30. Geburtstag bekam die Maus wieder ein Lied auf den umfangreichen Leib gedichtet: "Wir sind die Maus" von Dirk Bach. (Reuters)

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