Erhebliche Preis-Reduktion für Aids-Mittel in Afrika

16. März 2001, 11:21

Die Pharma-Konzerne Merck und Bristol-Myers Squibb verkaufen künftig zum Selbstkostenpreis

New York - Zwei große Pharma-Unternehmen wollen den Preis für ihre Aids-Medikamente in Afrika drastisch senken und den Verkauf preiswerter Versionen dieser patentrechtlich geschützten Mittel in Afrika nicht mehr gerichtlich anfechten. Bristol-Myers Squibb sagte am Donnerstag in New York, dass man wegen der Aids-Katastrophe in Afrika auf seine Rechte verzichten wolle. Vor einer Woche hatte bereits die Pharmafirma Merck in den USA angekündigt, es werde seine zwei Aids-Medikamente in Afrika künftig "zum Selbstkostenpreis" anbieten.

"Es geht uns nicht um Profite und Patente", betonte John McGoldrick, Vizepräsident von Bristol-Myers Squibb, in einer Erklärung. Wichtiger seien die Armut und die verheerende Krankheit in Afrika. "Wir wollen keinen Profit mit unseren Aids-Mitteln in Afrika machen, und wir werden mit unseren Patenten keine Hürden errichten", versprach McGoldrick. Bristol-Myers besitzt zusammen mit der Yale Universität das Patent für das Medikament d4T oder Stavudine, das in den USA unter dem Namen Zerit verkauft wird. Yale verzichtet ebenfalls auf seine Rechte.

Bristol-Myers will Zerit und ein zweites Aids-Medikament, ddI oder Didanosine, im Verkauf als Videx, in Afrika zusammen für einen Dollar (1,103 Euro/15,2 S) am Tag anbieten. In den USA wird diese Doppeldosis für 18 Dollar am Tag verkauft.

Aids-Aktivisten und humanitäre Organisationen lobten die Ankündigung des Pharmaunternehmens am Donnerstag überschwänglich. "Dies ist bahnbrechend", würdigte Kate Kraus von der Aids-Organisation Act-Up Philadelphia die Zusage. Andere Hersteller patentrechtlich geschützter Aids-Medikamente wie die britische Firma GlaxoSmithKline wollen sich dem Vorgehen von Merck und Bristol-Myers Squibb jedoch vorerst nicht anschließen, berichtete die "New York Times".

Die amerikanischen Gesundheitsforschungszentren (CDC) in Atlanta hatten erst am Dienstag eine Studie veröffentlicht, nach der die so genannten Medikamenten-Cocktails aus einer Reihe verschiedener Aids-Mittel die Überlebenszeit nach der Aids-Diagnose vervierfachen. Die Studie stützt sich auf Daten von 394.705 Amerikanern, die von 1984 bis 1997 beobachtet wurden. Demnach leben Amerikaner dank der Medikamentenkombination heute durchschnittlich vier Jahre nach der Aidsdiagnose im Vergleich zu 11 Monaten in den 80er Jahren. (APA/dpa)

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