Startups sterben nach der Euphorie

13. März 2001, 11:05

60 Prozent aller 210 Dotcom-Pleiten des Jahres 2000 im vierten Quartal

Schlechte Nachrichten am laufenden Band lieferten die Ticker der verschiedenen Internetangebote im vorigen Jahr, wenn es um die so genannten Startups und Dotcoms ging - zwei magische Wörter, die die Kurse der neuen Märkte an den Börsen rasend hatten in die Höhe schnellen lassen. Zum Jahreswechsel hatte sich Ernüchterung breit gemacht. Die Zahl der Internet-Pleiten hat im letzten Viertel des Jahres 2000 deutlich zugenommen. Fast 60 Prozent der weltweit registrierten Schließungen wegen Liquiditätsproblemen von mindestens 210 Dotcom-Firmen im Jahr 2000 entfielen auf das Schlussquartal.

Kalifornien vor Westeuropa

Regional war Kalifornien einer Studie der dortigen Firma Webmergers.com zufolge mit 30 Prozent betroffen. Elf Prozent seien auf Westeuropa entfallen.

"Ein Großteil der Startups lebte davon, regelmäßig refinanziert zu werden", sagt Bernd Skiera, Professor für E-Commerce an der Universität Frankfurt. "Die Geschäftsmodelle sahen vor, dass erst Jahre nach der Gründung schwarze Zahlen geschrieben werden." Nach dem Einsturz der Aktienkurse fänden die Dotcoms aber keine neuen Investoren mehr. Es sei ein Frage der Zeit, wann weiteren Unternehmen das Geld ausgehe.

Schlagzeilen und Begräbnisse

Der Telekommunikations- und Internetspezialist Gigabell AG war das erste am Neuen Markt notierte Unternehmen, das einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Auch der Internet-Dienstleister Surf1 GmbH war im September 2000 zahlungsunfähig. Die Kölner Portal AG, Anbieter von Internetportalen, stellte ebenfalls im Herbst einen Insolvenzantrag. Der Hamburger Internet-Ticket-Anbieter Gaudia.com folgte im Oktober. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt der niederländische Internet-Händler LetsBuyit.com im Jänner, der in letzter Minute den Konkursantrag zurücknahm.

Dem Abwärtssog der US-Technologiebörse NASDAQ folgte hier zu Lande eine Serie von Pleiten und Fehlprognosen bei zahlreichen Jungunternehmen. Zum Jahreswechsel lag auch der Neue Markt in Frankfurt bei einem Jahrestief.

"Fundamentale Bewertungsmaßstäbe traten angesichts dieser Chancen in den Hintergrund."

"Überzogene Erwartungen" in die Aussichten der neuen Technologien machte der Chef-Anlageberater der Deutschen Bank, Alfred Roelli, als Treibstoff für die rasanten Kursanstiege aus. "Fundamentale Bewertungsmaßstäbe traten angesichts dieser Chancen in den Hintergrund." In dieser überhitzten Lage reichten dann einige Negativnachrichten aus, um die Spekulationsblase zum Platzen zu bringen.

Studien belegen die Probleme der Dotcoms und Startups. Den Machern wird Traumtänzertum vorgeworfen. Jedes zweite Internetunternehmen scheitert an Fehlern im Personalmanagement, wie eine Studie der Unternehmensberatung Arthur Andersen ergab. 60 Prozent der Existenzgründer glaubten selbst nicht fest genug an ihre Pläne. "Die gute Geschäftsidee ist für Dotcom-Unternehmen allenfalls die halbe Miete", hieß es. (APA/dpa)

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    foto: photdisc
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