Der virtuelle Spiegel

12. März 2001, 18:51

Das Fraunhofer Institut präsentiert ein System zur Gesichtsfindung in Videobildern

Erlangen - Das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) hat ein System zur Gesichtsfindung in Videobildern entwickelt. Das Suchverfahren erkennt Gesichtsstrukturen anhand von Kantenrichtung und Kantenstärke einzelner Objekte. Für die Bildanalyse reichen Graustufenbilder aus, so dass sich Lichtschwankungen weniger störend auswirken.

Jedes Bild lässt sich anhand von Kanten darstellen. An der Bildstelle, an der das Gesicht vor den Hintergrund tritt, verändert sich die Intensität der einzelnen Bildpunkte. Innerhalb einer Zehntelsekunde vergleicht das System verschiedene Auflösungen mit dem aufgezeichneten Videobild. Das Suchprogramm markiert alle gefundenen Gesichter, die sich dann näher untersuchen lassen.

Das IIS stellt das System auf der CeBIT anhand eines virtuellen Spiegels vor. "Der virtuelle Spiegel demonstriert jedem Besucher anschaulich robuste Auswerteverfahren für die Gesichtserkennung", erläutert Christian Küblbeck vom ISS. "Die Betrachter werden trotz sich verändernder Lichtverhältnisse oder wechselndem Hintergrund zuverlässig erkannt." Die Genauigkeit der Positionierung sei so hoch, dass sich ein virtueller Schmetterling auf der Nase des Gefilmten platzieren lässt.

Zur Zeit entwickelt das Institut ein Verfahren, das mit Hilfe der Sensor-Fusion-Technik Lippenbewegungen analysiert und daraus bestimmte Wünsche und Bedürfnisse eines Menschen ablesen kann. "Wenn es uns gelingt, diese menschlichen Erkennungsstrategien für Computersysteme umzusetzen, wird mein Computer mir ansehen, ob ich Hilfe beim Ausfüllen eines Online-Formulars brauche oder ob ich etwas Musik hören möchte", so Christian Küblbeck. Auch das Lippenlesen per Video soll bald möglich sein. (pte)

  • Artikelbild
    foto: fraunhofer
Share if you care.