Troja, einmal anders

10. März 2001, 16:14

Die legendäre Stadt ist ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel - und in Gefahr

Stuttgart - Die mythenumwobene Siedlung Troja in der Türkei ist als wichtiger Rastplatz für Zugvögel in großer Gefahr. Die Qualität der Rastplätze verschlechtere sich dort durch eine immer stärkere Landwirtschaft, warnte der Präsident der Umweltstiftung Euronatur, Claus-Peter Hutter. Betroffen seien unter anderem Weißstorch, Pirol, Neuntöter und andere Zugvögel, die in Süddeutschland brüteten.

"Es ist fünf vor Zwölf", mahnte Hutter. Erste Forschungsergebnisse zur Ökologie des geschichtsträchtigen Ortes sollen im Rahmen der Ausstellung "Troia - Traum und Wirklichkeit", vermittelt werden, die am 17. März in Stuttgart eröffnet wird.

"Zu lange hat man das Gebiet im Nordwesten der Türkei als wichtige ökologische Drehscheibe nicht beachtet", kritisierte Hutter. Nun bedrohe die Landwirtschaft, bei der die Bauern viele schädliche Pestizide einsetzten, das Vogel-Paradies.

Um Ackerflächen auszudehnen, würden Tümpel trocken gelegt, erklärte der Umwelt- Experte. Zudem werde Wasser aus dem Fluss Skamander, den schon der Dichter Homer erwähnt, in Bewässerungskanäle geleitet. Dadurch trockneten die für die Vögel wichtigen Feuchtgebiete aus. "Hier werden die Fehler gemacht, die bei uns in den sechziger Jahren auch gemacht wurden."

Darüber hinaus würden rund um Troja illegal Gebäude errichtet und Steinbrüche in Betrieb genommen. Tiefe Pflüge gefährdeten den archäologischen Bestand, der noch nicht ausgegraben wurde. "Dass man Natur und Kultur nicht trennen kann, wird nirgendwo so deutlich wie in Troja, wo Menschen seit 3.000 Jahren siedelten und viele Jahre im Einklang mit der Natur lebten", erklärte Hutter das Interesse der Archäologen und Ökologen an der Landschaft rund um Troja, der so genannten Troas. (APA/dpa)

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