Chinas nächstes Mammut-Projekt zwingt 220.000 Menschen zur Umsiedelung

7. März 2001, 21:28

Zweck ist die Umleitung von Wasser vom Süden in den Norden des Landes

Peking - China startet nach dem berühmt-berüchtigten Drei-Schluchten-Staudamm schon das nächste Mammut-Projekt mit enormen Konsequenzen für Land und Bevölkerung: Die chinesische Regierung will für die Umleitung von Wasser vom Süden in den Norden des Landes zur Bekämpfung des Wassermangels rund 220.000 Menschen umsiedeln. Die Kosten für das neue Vorhaben beliefen sich nach Schätzungen chinesischer Medien auf 140 Milliarden Yuan (250 Mrd. S). Baubeginn soll offiziellen Angaben im kommenden Jahr sein. Die Planungen sehen die Umleitung eines Teils des Wassers aus dem südchinesischen Jangtse-Fluss über Hunderte von Kilometern in den Norden vor, wo der Gelbe Fluss aus Wassermangel in manchen Sommern nicht mehr das Meer erreicht.

Nach Einschätzung der chinesischen Regierung begrenzt insbesondere der Wassermangel die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Landes. Die jahrzehntelang unbeschränkte Wassernutzung führte zur Austrockung vieler Flüsse, Seen, Brunnen und Quellen. Und 80 Prozent der chinesischen Flüsse gelten als stark verunreinigt, weil Kläranlagen fehlen. Von den 668 chinesischen Städten leiden 400 an Wassermangel. Rund 700 Millionen der 1,3 Milliarden Chinesen steht kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung.

Wassermangel

Regierungsberatern zufolge ist dieses Projekt die einzige Möglichkeit, das Problem des Wassermangels zu lösen. Einsparungen im Wasserverbrauch, wie von Umweltschützern an Stelle des Projektes gefordert, reichten nicht aus. Ökologen lehnen das Projekt strikt ab. Sie warnen vor Korruption, Umweltschäden und einem Austrocknen des Jangtse-Flusses. Kritiker befürchten zudem, dass das Projekt zu teuer würde und viele Bauern das umgeleitete Wasser nicht bezahlen können.

Das Kabinett in Peking muss dem Vorhaben noch zustimmen. Das Projekt soll nach seiner Fertigstellung jährlich mehr als 48 Milliarden Kubikmeter Wasser über drei Kanäle durch West-, Ost- und Zentral-China umleiten und die drei großen chinesischen Flüsse Jangtse, Huai und den Gelben Fluss verbinden.

Die östliche Route mit einer Länge von 1.150 Kilometern und die mittlere Route (rund 1.250 Kilometer) sollen in 15 Jahren fertig gestellt sein und Wasser für ein Drittel der chinesischen Bevölkerung liefern. Die westliche Strecke, die durch felsiges Gebiet führt, bedarf nach Presseberichten noch weiteren Planungen.

Der Mega-Damm

Das Bauvorhaben wird mit Chinas gigantischem Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtse verglichen, der wegen seiner angeblich verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt heftig kritisiert wird. Für dieses 25 Milliarden Dollar teure Projekt müssen bis 2009 mehr als 1,1 Millionen Menschen umgesiedelt werden. (APA/Reuters)

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