Besser Einer als Keiner: Der 8. März

7. März 2001, 20:27

Große Geste und Verheissung!

Rund um den 8. März hat frau viel zu tun und zu beobachten: Veranstaltungen von und für Frauen stehen an der (kurzzeitigen) Tagesordnung, das Medieninteresse an Fraueninitiativen und „Frauenschicksalen“ vermehrt sich wie von Zauberhand, und selbst die Ignoranz in den leitenden Köpfen aus Politik, Wirtschaft und Kunst löst sich hi und da in Solidaritätserklärungen gegenüber den "Frauen des Landes" auf.

Treffende Argumente

Dem 8. März spricht aber auch einiges entgegen: Unter pragmatischen Gesichtspunkten drängt sich die Frage auf, ob ein einjähriges Ereignis wie der Frauentag irgendetwas an der strukturell verankerten Benachteiligung von Frauen ändern kann. Zudem interpretieren einige Frauen den Tag zu ihren Ehren als Sonderbehandlung ihrem Geschlecht gegenüber, und „Sonderbehandlung“ widerspricht natürlich dem frommen Glauben an Gleichbehandlung und „Normalität in der Beziehung zwischen den Geschlechtern“

Was tun mit dem 8. März?

Die Frage muss eigentlich lauten, was der Frauentag positives für die Frauenbewegung leisten kann: Er ermöglicht es, ansonsten verweigerte Öffentlichkeit zu schaffen, und zwar für all jene Programme, Projekte, Medien und Einrichtungen, die sich mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinandersetzen. Bei genauerer Betrachtung gibt es de facto keinen einzigen vergleichbaren Tag, der als Aufhänger für den Transport von emanzipatorischen Inhalten verwendet werden könnte. Dass der Frauentag seine symbolhafte Wirkung verliert, daran ist freilich nicht zu denken. Die Zeit der „großen Zeichen“ wird wohl so lange nicht vorbei sein, bis wir in einer Gesellschaft leben, die sich auf ganz anderer Ebene mit Geschlechter- und Gleichbehandlungsfragen auseinandersetzt.

Veränderte Realitäten

Und noch etwas positives zum Frauentag: Das frauenspezifische Veranstaltungs- und Kulturangebot rund um den 8. März könnte der einen oder anderen auch den Kopf verdrehen und sie verlockenderweise an den augenblicklichen Umsturz der Verhältnisse glauben lassen. Soviel Präsenz von Frauen auf allen Gebieten, das verleiht der Phantasie Flügel.

von Ina Freudenschuss
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