Geschlechtsspezifische Heißhungerattacken

6. März 2001, 21:27

Frauen öfter betroffen als Männer

Villejuif - Ein überwältigendes Verlangen nach Essen trifft Frauen offenbar vor allem dann, wenn sie traurig oder ängstlich sind. Bei Männern meldet sich der Heißhunger eher, wenn es ihnen gut geht und sie fröhlich sind. Das berichten französische ErnährungswissenschafterInnen im International Journal of Eating Disorders.

Food-Craving

Insgesamt kommt das so genannte Food-Craving, also die Gier nach einer ganz bestimmten Speise, bei Frauen mit 28 Prozent etwa doppelt so häufig vor wie bei Männern, berichteten die ForscherInnen vom Institut National de la Santé et de la Recherche Médical in Villejuif. Sie hatten zuvor das Essverhalten von mehr als tausend normalgewichtigen Männern und Frauen unter die Lupe genommen.

Diäten verstärken Heißhunger

Die Studie zeigte keinen Zusammenhang zwischen Craving und dem Körpergewicht, wohl aber mit dem Stellenwert, den das Körpergewicht im Leben der Betroffenen einnimmt. Frauen, die Heißhunger verspürten, waren häufiger auf Diät, hatten schwankendes Körpergewicht, fühlten sich zu schwer und wollten abnehmen. Das könnte auf den stärkeren gesellschaftlichen Druck auf Frauen zurückzuführen sein, vermuten die WissenschafterInnen. Food-Craving sei jedenfalls nicht notwendigerweise Zeichen eines höheren Kalorien- und Energiebedarfs.

Als Craver gelten Menschen, die zumindest einmal pro Woche Heißhunger auf ein bestimmtes Nahrungsmittel verspürten. Weiteres Detail der Studie: Das Verlangen nach Schokolade ist ein Zeichen von Müdigkeit und Abgespanntheit, die Lust auf salzige Naschereien zeigt hingegen an, dass der Organismus eine richtige Mahlzeit braucht. (hu)

(DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2001)

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