Wiener Gesundheitssystem mit Bestnoten

6. März 2001, 13:48

Umfrage weist hohe Zufriedenheit mit Wiener Ärzten und Spitälern aus

Wien - Eine sehr hohe Zufriedenheit unter den Wienern mit ihren niedergelassenen Ärzten und mit den Spitälern zeigt jetzt eine Umfrage, die vom OGM-Institut im Auftrag der Wiener Ärztekammer durchgeführt und heute, Dienstag, bei einer Pressekonferenz präsentiert wurde. Demnach sind 93 Prozent der Bewohner der Bundeshauptstadt mit der Gesundheitsversorgung zufrieden, nur sechs Prozent sind weniger zufrieden.

Die Befragung wurde Mitte Februar unter 500 Personen sowie 300 Medizinern in Wien durchgeführt. "Das Ergebnis der Erhebung ergab einen sehr hohen positiven Wert", sagte Wolfgang Bachmayer, Geschäftsführer von OGM. Wunschlos glücklich seien die Patienten vor allem mit den praktischen Ärzten (61 Prozent), dicht gefolgt von den Fachärzten (56 Prozent) und den Spitälern (52 Prozent). "Das Wohlbefinden der Patienten korrelierte deutlich mit dem Alter und der Häufigkeit des Arztbesuches. Das bedeutet, dass mit der zunehmenden Häufigkeit von Arztbesuchen die Zufriedenheit mit den Ärzten steigt", erklärte Bachmayer.

Knapp die Hälfte der interviewten Wiener (44 Prozent) ist laut OGM der Ansicht, dass die Gesundheitsversorgung in Wien im Vergleich zu anderen Bundesländern besser ist. Mehr als jeder Vierte (28 Prozent) gab "gleich gut" an, nur zwei Prozent sehen in Wien eine schlechtere Versorgung als in anderen Bundesländern.

Die 800 befragte Personen wurden auch mit verschiedenen Möglichkeiten zur Sanierung des Kassensystems konfrontiert, wobei drei Schwerpunkte detailliert abgefragt wurden, erklärte Bachmayer. Kürzungen der Patientenleistungen wurden mehrheitlich abgelehnt. Am deutlichsten wurden die Reduktion der Zahl der Kassenärzte (93 Prozent von den Patienten und 84 Prozent von den Ärzten) und die Kürzung von Vorsorgeprogrammen (85 Prozent der Bevölkerung und 87 Prozent der Ärzte) zurückgewiesen.

Am ehesten konnten sich die Befragten noch eine Verschärfung der chefärztlichen Bewilligung von teuren Medikamenten vorstellen (44 Prozent der Patienten und 28 Prozent der Ärzte). Auch eine höhere Leistung durch die Patienten wurde mehrheitlich abgelehnt - besonders der Vorschlag, dass die Hälfte der Arztrechnung vom Patienten selbst zu bezahlen ist (93 Prozent der Bevölkerung, 86 Prozent der Mediziner).

Die größte Zustimmung fand die Sanierung des Kassensystems durch die gesamte Bevölkerung: Zum Beispiel durch eine allgemeine Erhöhung der Kassenbeiträge der Dienstnehmer um ein halbes Prozent (71 Prozent der Wiener, 76 Prozent der Ärzte) oder durch eine Anhebung der Steuern auf Tabak und Alkohol mit direktem Zufluss in das Gesundheitssystem (77 Prozent der Patienten, 87 Prozent der Ärzte). Bei den weiteren Einsparungsmöglichkeiten stand sowohl bei Patienten (72 Prozent) als auch Ärzten (77 Prozent) die Verwaltung der Krankenkassen deutlich an der Spitze. Offensichtlich herrschte die Ansicht, dass unabhängig von der Höhe der tatsächlichen Einsparungspotenzials Reformmaßnahmen notwendig sind, sagte Bachmayer.

"Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen, was wir seit langem fordern: Keine Leistungskürzungen und mehr Geld für das System, um Top-Medizin zu betreiben", sagte der Präsidenten der Ärztekammer für Wien, Walter Dorner. Die in der OGM-Umfrage erhobenen Daten zeigen, wie wichtig den Patienten in Wien ein Gesundheitssystem auf gutem Niveau ist. "Dafür sind die Patienten auch bereit, dem Solidargedanken folgend höhere Krankenkassenbeiträge sowie eine Erhöhung der Steuern auf Tabak und Alkohol in Kauf zu nehmen", so Dorner. Die Einschätzung sei richtig, das man die Variante "gesund für krank und jung für alt" aufrecht erhalten müsse. (APA)

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    foto: derstandard/cremer
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