Die Angst vor resistenten Keimen

5. März 2001, 16:08

Die Österreichische Apothekerkammer rät zur Beruhigung - aber auch zur Hygiene im Krankenhaus

Saalfelden - Kein Grund für Hysterie um omniresistente "Killerbakterien": "Wir brauchen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange zu sitzen und zu sagen: 'Nichts hilft mehr'.", erklärte Sonntag Abend bei der 34. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden Oberarzt Dr. Volker Schäfer vom Institut für medizinische Mikrobiologie der Goethe-Universität (Frankfurt). Eine optimale Krankenhaushygiene und ein fachgerechter Gebrauch von Antibiotika könne das Problem unter Kontrolle halten.

Am wichtigsten in der Beherrschung von Infektionen ist für den Fachmann die Hygiene. "Ich habe den Eindruck, dass für Viele die Krankenhaushygiene mit dem Vorhandensein hoch wirksamer Antibiotika weniger wichtig geworden ist. Doch die Hygiene ist ausgesprochen wichtig. Keime müssen übertragen werden, um sich zu verbreiten. Hier hat der Krankenhaushygieniker eine enorm wichtige Rolle."

Günstige Lage

Die Resistenzlage ist in Deutschland und Österreich weiterhin recht günstig. Schäfer: "In den USA sind 15 Prozent der Enterokoken gegen Vancomycin resistent. Wir haben ein Prozent solcher Keime. In Ungarn sind 40 Prozent der Pneumokokken gegen Penicilling resistent, in Spanien 30 bis 35 Prozent. Das ist bei uns ganz selten." Während in Japan bereits 60 Prozent der Staphylokokken gegen das Antibiotikum Methicillin resistent seien, wären es in Frankfurt fünf Prozent.

Schäfer über einige der Gründe für die vergleichsweise gute Situation in Deutschland und Österreich: "Der Grund liegt darin, weil bei uns die Antibiotika nicht im Supermarkt neben der Kasse liegen und die Ärzte mit ihnen vernünftig umgehen." Man sollte die Entwicklung genau beobachten und vorsichtig sein. Der Mikrobiologe über die besorgniserregende Zunahme der Resistenzen gegen das "Reserveantibiotikum" Vancomycin in den USA: Es hätte dort einen regelrechten "Vancomycin-Abusus" gegeben. Die Gefahr besteht darin, dass bei Wirkungslosigkeit dieses Antibiotikums kaum mehr eine Hilfe möglich ist.

Antibiotika nach Verschreibung einnehmen

Gefährlich ist aber auch die Nachlässigkeit oder Vergesslichkeit vieler Patienten. Hinzu kommt falsch verstandene "Selbstmedikation". Der deutsche Mikrobiologe Dr. Volker Schäfer bei der Apothekertagung in Saalfelden: "Es ist unglaublich, wie viele Patienten Antibiotika nicht so einnehmen, wie sie es sollten. Viele reduzieren die Dosis. Das ist einfachste Möglichkeit, wie man Resistenzen erzeugt." Nur die volle notwendige Menge des einzelnen Antibiotikums garantiert die Wirkung, also die Ausmerzung des Keimes.

Und schließlich sind auch über die Tricks der Antibiotikatherapie schlecht informierte Ärzte ein Grund für das Entstehen von Resistenzen und hohe Kosten: "Je weniger man weiß, desto höher muss man die Kiste greifen. Man muss ein breiter wirksames und teureres Antibiotikum verwenden."

Auch wenn derzeit in der Diskussion rund um Arzneimittel in der Schweinemast verabreichte Antibiotika häufig als Ursache für die Entwicklung resistenter Keime in der Humanmedizin bezeichnet werden, der deutsche Mikrobiologe glaubt nicht so Recht daran: "Antibiotika im Schweinefutter sind eine Sauerei. Aber eine direkte Verbindung (zu den Resistenzen, Anm.) sollte man nicht unbedingt herstellen." Mangelnde Krankenhaushygiene, falsche Antibiotika-Verschreibungen und schließlich die mangelnde Mithilfe der Patienten wären wahrscheinlich die wichtigeren Faktoren.

Dafür spricht auch, dass Antibiotika in der Tiermast zwar seit Jahrzehnten weit verbreitet sind, für die Medikamente aber unempfindliche Keime zumeist sehr regional entstehen und Infektionen verursachen. Schäfer: "Es ist häufig so, dass Resistenzentwicklung regional passiert." Auch innerhalb von Krankenhäusern könne die Situation schon von Station zu Station unterschiedlich sein. Das spricht ebenfalls für lokale Gründe für das Entstehen und die Verbreitung solcher Keime. (APA)

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