Nibelungen-Handschrift des Hauses Fürstenberg geht an eine Bank

5. März 2001, 11:01

Diese Version ist zwischen 1200 und 1230 entstanden und damit die älteste der erhaltenen Handschriften

Stuttgart - Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat die kulturhistorisch bedeutende Nibelungen-Handschrift C aus dem Hause Fürstenberg gekauft. Einen entsprechenden Bericht des "Südkurier" und der "Berliner Morgenpost" bestätigten Wissenschaftsminister Klaus von Trotha und Finanzminister Gerhard Stratthaus in Stuttgart sowie die Kulturstiftung der Länder in Berlin. Über den genauen Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart; er soll aber deutlich im zweistelligen Millionenbereich liegen. Früheren Angaben zu Folge wollte das Haus Fürstenberg in Donaueschingen rund 20 Millionen Mark erlösen.

Die LBBW als neuer Eigentümer werde die Handschrift dem Land Baden-Württemberg als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen, hieß es. Wo die etwa 800 Jahre alte Schrift ausgestellt wird, ist noch nicht entschieden. Zurzeit lagert die Nibelungen-Handschrift nach Angaben der "Berliner Morgenpost" in einem Stuttgarter Banktresor. Als endgültiger Standort seien die Bibliotheken von Karlsruhe, Stuttgart und Heidelberg im Gespräch.

Es sei stets klar gewesen, dass das Land Baden-Württemberg den Kauf nicht allein aus Haushaltsmitteln finanzieren konnte, sagte von Trotha. Am Kauf seien auch die Bundesregierung, die Kulturstiftung der Länder sowie Christina Freifrau von Laßberg beteiligt gewesen. Nach Angaben der "Berliner Morgenpost" wurde die Anschaffung der Handschrift zu 40 Prozent durch die LBBW finanziert. Den Rest der Summe hätten die drei anderen Partner aufgebracht.

Herkunft

Die Handschrift C des Nibelungenlieds ist zwischen 1200 und 1230 entstanden. Der Schreiber stammte wahrscheinlich aus dem Oberrheingebiet oder dem Bodenseeraum. Neben der Version C existieren noch die Versionen A, die in München aufbewahrt wird, und die Version B im schweizerischen St. Gallen. Die Handschrift C ist die älteste der erhaltenen Nibelungen-Handschriften. Sie sei eines der wichtigsten Zeugnisse mittelalterlicher Dichtung, sagte von Trotha. Sie wurde im Jahr 1755 wiederentdeckt und 1815 von Joseph Freiherr von Laßberg erworben. Seit 1853 ist sie im Besitz der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek.

Das Land Baden-Württemberg bemüht sich seit Jahren um die Sicherung der Bestände aus der Fürstenbergischen Hofbibliothek und besitzt seit 1993 Vorkaufsrechte an der Handschrift. Im Jahr 1993 erwarb das Land 1.050 Handschriften, im Jahr darauf konnten 86 Inkunabeln (Frühdrucke bis 1500) angekauft werden. 1999 gelang es schließlich, eine wertvolle Musikaliensammlung mit 7.532 Drucken und Handschriften zu erwerben. Zusammen mit dem Kauf von rund 1.110 Bänden aus der Hofbibliothek Laßberg habe das Land 54,3 Millionen Mark aufgewandt. Die Nibelungen-Handschrift C habe diesen Erwerbungen gleichsam die Krone aufgesetzt, sagte von Trotha. (APA/dpa)

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