Braucht Wien eine Abt. 666?

3. März 2001, 11:55

Von Alexandra Bader - Teil 6

Grundsätzlich könnte die seit heute bestehende Abteilung VI/6/6 im Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen ja durchaus beispielgebend sein. Etwa, wenn die Wünsche und Bedürfnisse der Männer auch in der grössten Stadt Österreichs zuwenig berücksichtigt würden, sodass eigentlich die Schaffung eines Männerreferats zu den bereits jetzt zahlreichen Wahlversprechen aller Parteien hinzukommen müsste.

Doch was will der Wiener eigentlich? Geht es nach seinen Volksvertretern - von denen er ja im Vergleich zur zahlreicheren Wienerin doch überproportional viele zur Verfügung hat -, so will er, was Männer eben so wollen. Und was sie auch wollen, ohne dass sich ein extra Referat ihrer Bedürfnisse annimmt. Nämlich, viele schöne grosse Unternehmen gründen / nach Wien holen. Viele grosse Projekte lancieren / durchführen. Viele neue Jobs für sich und andere (Männer?) in vielen tollen zukunftsträchtigen Branchen schaffen. Viele wichtige Auseinandersetzungen mit anderen Männern um Führungspositionen überall gewinnen.

Es geht auch ein bisserl bescheidener, wie uns die zahlreichen kleinen Männer ja zeigen: wenig Konkurrenz durch Frauen und MigrantInnen im Job. Viel Platz fürs Auto in der Stadt. Vielleicht den einen oder anderen Teilzeitarbeitsplatz für die eine oder andere Gattin zur Aufbesserung der Familienkasse. Und sonst? Ehrlich gesagt kann ich mangels aktueller Zahlen gar nicht sagen, wie die Männer bspw. zum in Wien recht konsequent von der Polizei exekutierten Wegweiserecht nach dem Gewaltschutzgesetz stehen. Ich kann ich mich auch an keine Männerdemo erinnern, die den raschen Bau des vierten Wiener Frauenhauses forcieren wollte. Ist immerhin ein Männerproblem, Gewalt gegen Frauen. Betrifft schliesslich jeden fünften Herren.

Ein wenig regt sich was bei Forderungen, vielleicht treffender: Wünschen von Vätern nach Arbeitszeiten, die auch sie mehr von ihren Kindern sehen lassen. Aber auch da gibt es keine grosse Bewegung der neuen Väterlichkeit. Genau genommen handelt es sich bei allem, was ansatzweise in die Nähe eines neuen Männerbildes kommen könnte, um leise Veränderungen. Die nun mal in der Stadt und unter besser Gebildeten eher stattfinden als auf dem Land und bei weniger Qualifizierten. Insofern wäre schon grosser Bedarf da - jedoch nicht nach einem Referat, sondern nach emanzipatorischer Männerpolitik als Grundprinzip der gesamten Stadtregierung. Auf dass wir in der nächsten Legislaturperiode eine Bürgermeisterin bei Baustelleneröffnungen, einen Familienstadtrat bei Kindergarteneinweihungen mit Karenzvätern sehen und entsprechend berichten können. Natürlich wir Journalistinnen über die Bürgermeisterin und die Baustelle, und die lieben Kollegen über das einstige "Frauenthema", das zum Männerthema mutiert ist ...

02.03.2001
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