Valetta

6. Juni 2003, 16:48
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Susanne Mitterbauer zeigt sich beeindruckt, nicht nur von der Hauptstadt, auch von der gesamten Insel

Erster Tag

Ziemlich atemberaubend, die ganze Geschichte. 1565 belagerten die Türken Malta, nachdem sie Rhodos und Zypern schon eingenommen hatten und wurden sehr spektakulär zurückgeschlagen. Der Dank Europas war groß, die Gefahr allerdings noch lange nicht gebannt. Und so schickte der Papst seinen Lieblingsbaumeister Laparelli da Cortona, immerhin Michelangelos rechte Hand beim Bau des Petersdoms, in den Süden. Der geniale Architekt entwickelte den Plan einer schachbrettartigen Anlage, deren Hauptadern in das zur Landspitze hin abfallende Gelände eingebettet sind. So entstanden die typischen Straßenschluchten, damals schon mit Abwasserkanälen und Abfallbeseitigung. Sie alle enden im blauen Horizont und sind umgürtet von mittelalterlich-martialischen Festungsbauten.

Im riesigen Großmeisterpalast hängen inmitten all der geschenkten und erbeuteten Kleinodien - die christlichen Ritter beschäftigten nicht nur tausende Sklaven, sondern auch Seeräuber - die dunklen Porträts der ernstblickenden Johanniter. Von dort sind es nur ein paar Schritte zur St John's Cathedral. Es sind überhaupt überall hin nur ein paar Schritte, was alles sehr angenehm macht. Diese wunderbare Kirche ist kulturhistorisch hochinteressant. Jede Nation hat ihre eigene Kapelle. Und einen besonderen Schatz im Cathedral-Museum: Caravaggios "Enthauptung des Hl. Johannes" ist ein meisterlich konzipiertes Werk, von dem man einfach nicht los kommt. Jede Nation ließ auch ihr Hauptquartier, eine Auberge, bauen, eine aufwendiger als die andere. Überhaupt ging es den Rittern 200 Jahre lang sehr gut. Die Dankbarkeits-Adressen samt Sponsoren-Geldern aus Europa flossen reichlich. Jetzt wäre Zeit für einen Kaffee im Premier, übrigens, hier züchten selbst Hausfrauen ihre eigenen Pflanzen und rösten selbst, das schmeckt man positiv.

Zweiter Tag

Das Manoel Theater wurde 1732 gebaut, ist somit das älteste der Welt, hochbarock mit ausgezeichneter Akustik und dem erwähnenswerten Cafe Diva. Die Ritter lebten damals schon recht locker und sie schufen das Theater zur "rechtschaffenen Freizeitgestaltung" für ihresgleichen. Kein Wunder also, dass Napoleon 1798 die Insel ohne nennenswerte Gegenwehr eroberte, zwei Jahre später folgten die Engländer bis 1964, was einen unheilvollen Einfluss auf die Küche hatte und den herrschenden Linksverkehr begründet. Ein Muss sind die Museen. Tief in die Vergangenheit geht das Archäologische Museum - immerhin sind die ersten Zeugen der Kultur aus 3000 v. Chr. Das National Museum of Fine Arts birgt italienische Renaissance-Malerei.

Im verspielten Palazzo Verdelin geht es wenig verspielt zu. Die "Wartime Experience" ist etwas für Kriegs-Spezialisten. St James Cavalier, ein Teil der alten Festungsmauern, beherbergt ein überraschend modern konzipiertes Museum und ein Zentrum der Kreativität. Malta verdient heute ausreichend Geld mit dem Tourismus, dem Hafen, den Aquafarmen (Fischaufzucht-Anstalten, für alles was Flossen trägt und sich züchten lässt) und den Off-Shore-Firmen. Letzteres wird sich bald ändern, denn die Aufnahme in die EU droht an den ange- nehmen Steuergesetzen zu scheitern.

Informationen & Details
Anreise:
Mit Air Malta ab Ende März täglich außer Mo und Di als Nonstopflug.

Gut zu wissen:
Die Insel hat wenige Sandstrände, die Küste ist zerklüftet. Alle Hotels, die angeboten werden, haben demnach große Poollandschaften. Ein besonderer Wellness-Tempel ist das Corinthia Palace Hotel. Und das Fünfstern-Suitenhotel Xara im historischen Rahmen der Stadt Mdina. Das Kulturangebot und Sightseeing sind ganz groß geschrieben, nicht nur in der Hauptstadt. In St. Paul's Bay hat sich eine gesuchte Disco-Szenen entwickelt.

Sport:
Um die Küsten finden sich die besten Tauchreviere des Mittelmeeres. Auch sonst wird Wassersport groß geschrieben. Und im Übrigen Golf, Wandern. Für Segler bietet sich rund um die Insel ein wahres Paradies, viele der Strände sind nur vom Meer aus zugänglich.

Achtung:
Am 8. Mai soll der Papst auf Besuch kommen. Das wird voraussichtlich größere Verkehrsprobleme machen. Malta ist die am dichtest besiedelte Region Europas!

Für Badelustige:
Die Schwesterinseln Gozo und das winzige Comino sind dafür besser geeignet und ganz besonders klein und intim.

Veranstalter:
Prima Reisen,Tel. (01) 580 000, office@primareisen.com

Fremdenverkehrsamt:
1010 Wien, Opernringhof 1, Tel. (01) 585 37 70
E-Mail und Webseiten:
ziegler@urlaubmalta.de
www.urlaubmalta.de
www.visitmalta.com


Ganz persönlich
Ich war, das muss ich schon zugeben, sehr beeindruckt. Nicht nur von der Hauptstadt, die sicher eine der authentischsten Europas ist und "intra muros" perfekt mittelalterlich-barock, sondern auch von der gesamten Insel. Wir haben nur einen kleinen Ausflug gemacht. Stark strukturiert, das heißt steile Klippen, blaue Grotten, viel Felsstrand, pittoreske Aussichten und fast überall blinzelt das Meer herein. Die Dörfer gehen ineinander über, nur der Westteil ist einsamer. Die Bewohner sind besonders liebenswert und jeder spricht sehr gut englisch. Deshalb werden auch überall Sprachferien angeboten. Würde ich englisch lernen wollen, oder mich perfektionieren, dann wirklich nur auf Malta.

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