Netzwerke

14. Februar 2002, 18:03
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Studentenverbindungen und Herrenclubs für Wirtschaftsbosse gibt es schon seit langem.

Netzwerke gewinnen immer mehr an Bedeutung, da sie ein Gegengewicht zur zunehmenden Anonymisierung der Gesellschaft darstellen, konstatiert Birgit Weiss, Vorsitzende von webwomen.at. Es gäbe zwar schon seit langem Vereine oder andere Seilschaften, beruflich orientierte communities seien aus der modernen Karriereplanung aber nicht mehr wegzudenken. Selbstmarketing stelle einen wesentlichen Teilaspekt des Networkings dar, der ihrer Erfahrung nach von "vielen Frauen sehr oft unterschätzt" werde. Auch Birgit Bauer, steering committee-Mitglied von Womens's Career Network, ortet enormen Nachholbedarf.

Zu emotional

Frauen hätten es bislang vernachlässigt, aktiv Netzwerke aufzubauen. Männer haben im Gegensatz zu Frauen schon längst gelernt, so Weiss, Netzwerke rein funktional zu betrachten und dabei berufliche Interessen mit Freizeitvergnügen zu verbinden. Frauen neigten eher dazu, sich zu emotional zu engagieren, und sollten daher die Technik des aktiven, aber dennoch distanzierten und vor allem funktionellen Business-Networkings verfeinern.

Frauennetzwerke seien "jünger und unkonventioneller", erklärt Bauer den Unterschied zum männlichen Dependant, dafür gäbe es allerdings noch wenige Mitglieder in Top-Positionen. Weibliche communities öffnen einen Raum, in dem sich Frauen im Gegensatz zur meist männerdominierten Berufswelt anders bewegen können, fügt Weiss hinzu. Frauen könnten ihr Verhältnis zur Macht anders austesten, fänden weibliche Vorbilder und lernten gleichzeitig, den manchmal vorherrschenden Gedanken weiblicher Konkurrenz abzubauen.

"Konkurrenzdenken und Neid haben in keinem Netzwerk Platz", erteilt auch Martina Postl, Past-Präsidentin von "arge wirtschaftsfrauen", Oberflächlichkeit und Opportunismus eine Absage.

Wichtige Hilfe

Die Wichtigkeit von Frauennetzwerken zeige sich vor allem in beruflichen und privaten Krisensituationen. "Wenn Frauen an die berühmte gläserne Decke stoßen, fehlt oft die verständnisvolle Schulter zum Anlehnen."

Netzwerke hätten in diesen Momenten eine sehr vitale Funktion und würden über manche schwierige Zeit hinweg helfen, indem sie angekratztes Selbstwertgefühl erneuern und ein Auffangnetz an Kontakten bereithalten, skizziert Weiss das Krisenmanagement.

Bauer nennt es "Hilfestellung durch ein Sicherheitsnetz" und betont die Wichtigkeit des informellen Gedanken- und Informationsaustausches, ohne den Karriere nicht mehr möglich sei. Die persönliche Ebene werde in Frauennetzwerken jedoch noch viel zu oft in den Vordergrund gestellt, kritisiert hingegen Ingrid Kösten von WomanSuccess.

Die Funktion eines "emotionalen Basislagers" sei zwar wesentlich, darunter leide aber die Professionalität der Netzwerkerinnen. Schließlich sollten Mentoring und Karrierehilfen gegenüber Beziehungsproblemen Priorität haben. Kösten nennt es "Fußstapfen bauen": "Männer kennen den Kniff bereits, in

Frauennetzwerken gibt es noch gewisse Wachstumsprobleme."

Webtipps

www.webwomen.at

www.arge-wirtschaftsfrauen.org

www.wcnvienna.org

www.vaoe.at

Verena Buzzi über Frauennetzwerke
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