Draken-Nachfolger gesucht

2. März 2001, 12:05

Vier bis fünf Maschinen kommen in Frage - Typenentscheidung soll in diesem Jahr erfolgen

Wien - Die Notwendigkeit neuer Abfangjäger anstelle der in die Jahre gekommenen Draken steht für Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) und das Bundesheer außer Frage. In diesem Jahr soll die Typenentscheidung fallen. In Frage kommen nach dem Stand der Dinge fünf bzw. vier Maschinen: Die US-Produkte F-16 "Fighting Falcon" und F/A-18 "Super Hornet" sowie die europäischen Maschinen "Gripen", Eurofighter "Typhoon" und Mirage 2000-5. Letztere dürfte offenbar vom Hersteller selbst aus dem Rennen genommen worden sein.

MiG-29

Im Gespräch war mit der russischen MiG-29 auch ein sechster Jet. Die russische Maschine wird - trotz intensiven Lobbyings und Öffentlichkeitsarbeit - vom Heer aber abgelehnt. Dafür ins Treffen geführt werden mögliche Probleme beim Ersatzteil-Nachschub und die Erfahrungen anderer Armeen, bei denen die Maschine im Einsatz steht.

Als ersten Schritt in der Beschaffung haben die Anbieter vom Verteidigungsministerium einen "request for information" erhalten, eine Aufforderung, Informationen über ihr Produkt zu liefern. Konkret wird das Verfahren, wenn nach der Sicherstellung der Finanzierung konkrete Anbote eingeholt werden. Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) hat Bedenken gegen die Groß-Investition in Sparzeiten wiederholt zurück gewiesen. Die ersten Zahlungen würden erst nach der laufenden Budgetsanierung fällig, außerdem sei mit umfangreichen Kompensationsgeschäften zu rechnen.

F-16

Das vom Typ her älteste in Frage kommende Modell ist die F-16. Sie ist 1976 das erste Mal geflogen und seither - immer wieder modifiziert und erneuert - mehr als 4.000 Mal an Armeen in Europa, Asien und Afrika verkauft worden. Der aktuelle Typ stammt vom Beginn der neunziger Jahre. Aufgegeben wurde eine frühere Überlegung, man könnte gebrauchte, derzeit in den USA auf Halde stehende Maschinen beschaffen.

F/A-18

Die F/A-18 wiederum ist Anfang der achtziger Jahre zum ersten Mal geflogen, ausgeliefert wurden bisher mehr als 1.500 Maschinen. Die aktuelle Version gibt es seit 1995, die US-Navy etwa hat davon 548 Stück bestellt.

Ur-Mirage

Ebenfalls rund 20 Jahre als ist die Ur-Version der Mirage. Auch die Franzosen haben ihr Produkt in der Zwischenzeit aber aktualisiert und seit zehn Jahren die Mirage 2000-5 im Angebot. Armeen in Frankreich, Taiwan, Griechenland und im arabischen Raum haben mehr als 500 Stück davon im Einsatz. Der Hersteller Dassault Aviation hat auf den "request for information" des Verteidigungsministeriums aber bisher nicht reagiert.

Gripen

Nur in Schweden wird bisher der "Gripen" geflogen, Bestellungen liegen aus Südafrika vor. Zum ersten Mal geflogen wurde der "Greif" 1988. Für den "Gripen" würden die langjährigen Kontakte der österreichischen Fliederdivision mit den Schweden sprachen. Auch die bisher im Einsatz stehenden Saab 105 und der "Draken" stammen aus der Produktion von Saab.

Eurofighter

Noch gar nicht im Einsatz steht der Eurofighter. Die Auslieferung dieser gemeinsam von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien entwickelten Maschine soll im kommenden Jahr starten, bestellt haben bisher die Herstellerländer sowie Griechenland.

Das österreichische Verteidigungsministerium hat ursprünglich den Eurofighter nicht in Betracht gezogen, weil als frühest möglicher Liefertermin das Jahr 2008 gegolten hat. Deshalb hat das Konsortium vorerst im Gegensatz zu den Herstellern der anderen Modelle kein "request for information" erhalten. Nun wurde aber in Aussicht gestellt, dass bereits 2004 Maschinen in Österreich landen könnten, weshalb auch der Eurofighter als möglicher Draken-Nachfolger genannt wird. (APA)

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    Der Eurofighter - Ein möglicher Draken-Nachfolger

  • Saab J35OE Draken 'Ostarrichi'- Eine besonders patriotische Ausführung des in die Jahre gekommenen, schon beim Einkauf nicht mehr ganz rüstigen Drakens
    foto: www.fighter-jets.de

    Saab J35OE Draken 'Ostarrichi'- Eine besonders patriotische Ausführung des in die Jahre gekommenen, schon beim Einkauf nicht mehr ganz rüstigen Drakens

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