1.200 Schnittbilder vom Menschen

1. März 2001, 14:58

Europäischer Radiologen-Kongress im Austria Center Vienna

Wien - 3D-Bilder vom Inneren des menschlichen Körpers, die Fahndung nach Krebszellen im Lymphknoten durch bildgebende Verfahren, die Untersuchung von Arterien bis hin zu den Herzkranzgefäßen auf Gefäßverkalkung: Computertomographie (CT, Röntgen), Kernspintomographie (Magnet) und Ultraschall-Verfahren werden immer genauer. - Die Heerschau dieser Techniken findet in den kommenden Tagen im Austria Center Vienna beim Europäischen Radiologen-Kongress (ECR 2001, 2. bis 6. März) statt. Eine Mischung aus Kongress und Großgeräte-Schau.

"Ich hätte mir diese Entwicklung vor 20 Jahren nicht erträumt. Bei der Computertomographie sind beispielsweise derzeit die Multi-Slice-Geräte auf dem Vormarsch. Jetzt kann man acht Detektoren um den Patienten kreisen lassen, im Anrollen sind bereits die 16-Dektektor-Geräte. Damit werden wir in weniger als 20 Sekunden einen Menschen von Kopf bis Fuß abbilden können", erklärte der Leiter des Zentralröntgeninstituts und Schnittbildzentrums am Wiener Krankenhaus Lainz, Univ.-Prof. Dr. Heinrich Czembirek, aus Anlass des Kongresses mit erwarteten rund 12.000 Teilnehmern aus rund 90 Ländern.

Das Ergebnis solcher Untersuchungen sind aber auch ungeheure Datenmengen. Der Radiologe: "Mit den Multi-Slice-Geräten bekommt von einem Menschen bis zu 1.200 Schnittbilder. Derzeit stehen Computer zur Verfügung, die für die Aufarbeitung der Daten 20 bis 30 Minuten benötigen." Doch es wird noch schneller werden.

Eindeutige Diagnose

Gerade die neuen Multi-Slice-CT-Geräte lassen aber auch durch eine entsprechende Farbkodierung mittlerweile schon sehr gute Untersuchungen von großen Blutgefäßen zu. Man kann sie sogar schon zur Untersuchung der Herzkranzgefäße einsetzen. Eventuelle Verengungen durch Atherosklerose konnten bisher nur durch die invasive Methode der Katheter-Untersuchung eindeutig diagnostiziert werden.

Bei dem Kongress wird sich in den kommenden Tagen auch auch zeigen, was sich in den kommenden Jahren auf dem Gebiet der Magnetresonanz (MR/Kernspintomographie auf der Basis von Magnetstrahlen, Anm.) abspielen wird. Czembirek: "CT mit der Verwendung von Röntgenstrahlen und Magnetresonanz schaukeln einander in ihren Leistungen auf." Einmal ist das CT voran, dann wieder die MR-Technik. Letztere hat aber den Vorteil, dass sie ohne Belastung des Untersuchten durch ionisierende Strahlen auskommt.

Der Wiener Radiologe: "Durch neue Kontrastmittel, die für die Magnetresonanz-Untersuchung entwickelt wurden, kann man bei Krebskranken zum Beispiel in einzelnen Lymphknoten feststellen, ob sie von Tumorzellen befallen sind." Das erleichtert die Entscheidung über das Ausmaß der notwendigen Operation enorm.

Weniger Aufwand

Auch bei der im Vergleich zu den Großgeräten wie CT (Computertomographie) und MR (Magnetresonanz) mit deutlich weniger Aufwand auskommenden Ultraschall-Untersuchungsmethode weiten Verbesserungen die Anwendungsgebiete immer mehr aus.

Der Wiener Radiologe Univ.-Prof. Dr. Heinrich Czembirek aus Anlass des Europäischen Radiologenkongresses in Wien: "Als Kontrastmittel bei Ultraschall-Untersuchungen können mit Zucker ummantelte Luftbläschen verwendet werden. Sie werden zunehmend stabiler gemacht. Daneben kann man sie mit Antikörpern versehen, die sehr zielgenau sind." Auch auf diese Weise können Blutgefäße bzw. zum Beispiel auch darin aufgetretene Thrombosen sichtbar gemacht werden. Der riesige Vorteil des Ultraschalls: Die Geräte kommen ebenfalls ohne schädliche Strahlen aus, sie sind außerdem vergleichsweise klein und billig. Dadurch eignet sich die Methode speziell in der niedergelassenen Praxis.

Ein Highlight bei dem Kongress ist auch der Vortrag des Chinesischen Experten Guozhen Li (Beijing). Er und sein Team bemühen sich, die Effekte einer Akupunkturbehandlung auf das Gehirn durch Magnetresonanz-Untersuchungen darzustellen. Czembirek: "Für mich ist das schon sehr spannend, wenn man darstellen kann, welche Gehirnregionen durch die Akupunktur angeregt werden." (APA)

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    foto: photodisc
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