E-Uni: Der Teufel steckt im Detail

26. August 2003, 19:07

Mit Online-Inskription und Chipcard proben die Universitäten die Zukunft der allumfassenden Vernetzung. Umstellungsprobleme gibt es da wie dort, berichtet Doris Priesching

In Wien läuft alles nach Plan. Seit 8. Jänner können sich die angehenden Studenten der Uni übers Internet vor-anmelden (früher hieß das "immatrikulieren"). Das Service wird, das zeigen die ersten Zahlen, gut angenommen. 632 Studierende haben sich über http://www.univie.ac.at/ zulassung vorangemeldet, von ihnen hat etwa die Hälfte ihre Unterlagen bereits direkt am Schalter abgegeben und ist somit für das Studium zugelassen. Die Feuerprobe steht allerdings noch aus. Im Sommersemester sei mit dem Sturm auf die Evidenzstellen erfahrungsgemäß erst Anfang März zu rechnen, heißt es von dort. Ob die bahnbrechende Innovation dieser Belastung standhalten wird, werden die nächsten Tage zeigen.

Für Überraschungen sind die Unis in letzter Zeit nämlich immer ganz gut zu haben. So führt etwa die Grazer Rechtswissenschaftliche Fakultät Jahr für Jahr vor, wie's gehen kann, wenn der Teufel im Detail steckt. Das Anmelde- und Prüfungssystem eLEXa funktioniert - fast schon traditionell - auch heuer nicht richtig. Wer sich dieser Tage per Computer zu einer Lehrveranstaltung anmelden will, hat Pech gehabt: "Wegen Netzwerkschwierigkeiten muss die Anmeldung von den Instituten Römisches Recht, Rechtsphilosophie und Finanzrecht morgen ab neun Uhr am Institut erfolgen." Also wieder anstellen. Den Grund für den Zusammenbruch wissen die Verantwortlichen selber nicht ganz genau, jedenfalls nicht weil das System überlastet sei - wie in den Vorjahren. Das habe man durch eine Staffelung der Anmeldezeiten schon recht gut im Griff, beteuert Doris Vones-Faschallegg von der Rechtswissenschaftlichen Kontaktstelle in Graz. "Es kommt eben jedes Mal was Neues", klagt sie.

Streitpunkt Chipcard

Zum Politikum ist mittlerweile die Chipcard geworden. Die Uni Wien plant die Einführung einer eigenen Studentenkarte für das Sommersemester 2002. Sie konkurriert damit mit dem Bildungsministerium, das den Studentenausweis schon ab Herbst in ganz Österreich ersetzt haben will. "Unrealistisch", urteilte die Österreichische Rektorenkonferenz in einer Aussendung. Zwar begrüße man grundsätzlich den Vorschlag zur Vereinfachung der Verwaltungsvorgänge, allerdings sei der Plan in zahlreichen Fragen "noch unausgegoren". Wenn Studenten die Karte erst Wochen nach ihrem Besuch in der Studienabteilung per Post zugesandt bekämen, könnten sie sich bis dorthin nicht als Studierende ausweisen. Außerdem seien die Kosten viel zu hoch: 40 Mio. Schilling stünden in keiner Relation zum Nutzen der Aktion.

An der Uni Linz und der WU ist die Studentencard bereits Wirklichkeit. Die Karten dienen nicht nur der Legitimation, beispielsweise lassen sich die Schiebetüren von Computer- und Übungsräumen mittels elektronischem Chip öffnen, auch Prüfungsanmeldungen und das Ausdrucken von Zeugnissen sowie die Inskription sind möglich.

Angebote, die Günther Vinek auch an der Wiener Universität etabliert wissen möchte. Er sieht das große "Servicepotenzial für die Studenten": Durch die Karte könne man sich zu jeder Zeit Zutritt zu allen Einrichtungen verschaffen: "Bürozeiten gibt es dann nicht mehr."

Dafür aber genügend Platz für Visionen, was die beim Thema Chipcard so konträren Partner Uni Wien und Bildungsministerium wieder eint. "Lehrende und Studierende werden von zeitlich und örtlich gebundener Anwesenheit entlastet. Den Lehrenden verbleibt mehr Zeit für die individuelle Betreuung ihrer Studierenden. Die Studierenden können die Einteilung ihrer Lernzeit durch vermehrte individuelle Planung optimieren", beschreibt das Bildungsministerium geradezu paradiesische Zustände.

Chip-Sponsoren

Bis es soweit ist, wird es allerdings noch einige Zeit dauern. Die Mittel dafür sollen nämlich auch die Universitäten mittels Sponsorengelder auftreiben. "Und bis Herbst wird sich da nicht viel abspielen", meinte etwa die Hochschülerschafts-Pressesprecherin Cornelia Blum.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2001)

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