Von Altamira bis Brooklyn

28. Februar 2001, 18:47

Eine verkannte kulturelle Ausdrucksweise: Graffiti

Wien - Das Institut für Graffiti-Forschung in Wien kritisiert die Verkennung des Graffiti als kulturelle Ausdrucksweise. Jüngster Anlassfall: Die als "existenzbedrohend" bezeichneten Strafen für zwei 22-jährige Sprayer, die vergangenen Freitag vom Wiener Landesgericht wegen schwerer Sachbeschädigung zu Haftstrafen von 13 bzw. acht Monaten unbedingt verurteilt worden sind.

Zu Recht weist das Institut darauf hin, dass Graffiti als älteste Kommunikationsform überhaupt betrachtet werden kann - siehe die Höhlenmalereien von Altamira oder Lascaux. Auch auf vielen antiken Gebäuden sind "Kritzeleien" enthalten - und diese enthalten für Archäologen oft wertvollere Informationen über die damaligen Kulturen als die "verschandelten" Gebäude selbst. "Graffiti" im heutigen Sinne, auch als ästhetische Kategorie, ist seit etwa 30 Jahren bekannt. Diese Kulturform nur unter juristischen Aspekten betrachten zu wollen, stellt nach Meinung der Forscher des Institus eine "unzulässige Einengung" dar.

Das Institut verweist weiter auf die besondere Rolle, die Wien in der Graffiti-Szene einnimmt: "Graffiti sind heute als eigenständige Kultur- und Kommunikationsform anerkannt, deren Erforschung ein internationales wissenschaftliches Anliegen ist. Zu diesem Zweck entstand hier in Wien mit dem Institut für Graffiti-Forschung die erste institutionalisierte Forschungsstätte auf diesem Gebiet, um Wissenschaftern verschiedener Disziplinen ein Forum zu bieten." (red)

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