Österreichs Unternehmen stellen auf IAS-Rechnungslegung um

28. Februar 2001, 13:45

Börse-Vorstand: International Accounting Standards sind "wirklicher Meilenstein"

Wien - Österreichische börsenotierte Unternehmen im Amtlichen Handel haben bereits weitgehend auf das Internationale Rechnungslegungssystem IAS (International Accounting Standards) umgestellt, sagte Vorstandsdirektor Stefan Zapotocky von der Wiener Börse bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien. Ab 2005 müssen börsenotierte Unternehmen in der EU konsolidierte Konzernabschlüsse gemäß IAS vorlegen. Das sieht der Vorschlag für eine Verordnung vor, die Ende Jänner an das europäische Parlament weitergeleitet wurde. Wird der Vorschlag wie vorgesehen angenommen, ist die Regelung auch für Österreich verbindlich.

Zapotocky sprach in Zusammenhang mit den EU-weit einheitlichen Rechnungslegungsvorschriften von einem "wirklichen Meilenstein". Damit falle eine Hürde weg, internationale Investoren für den Wiener Aktienmarkt zu interessieren. Im Blue Chip-Index der Wiener Börse hätten bis auf die Unternehmen RHI und Generali bereits alle auf IAS umgestellt, ein großer Teil der Unternehmen im Wachstumsindex ViDX lasse bereits freiwillig einen Abschluss nach IAS erstellen. Österreich erkennt seit 1999 internationale Abschlüsse nach IAS oder US-GAAP an.

Zwei Drittel der Befragten dafür

Laut einer von PricewaterhouseCoopers durchgeführten Studie in 16 europäischen Ländern unterstützen zwei Drittel der befragten Finanzvorstände die Einführung eines internationalen Rechnungslegungsstandards statt nationaler Regelungen. 79 Prozent würden sich der Empfehlung der EU-Kommission anschließen, die sich für IAS ausgesprochen hat. In Österreich sei die Umstellungsbereitschaft überdurchschnittlich hoch.

IAS ist das vom europäischen International Accounting Standard Committee (IASC) erstellte Regelwerk für die Rechnungslegung und Berichterstattung von Unternehmen. Dem privatrechtlichen Verein IASC gehören nationale Verbände von Standardsetzern, Rechnungslegungspraktikern und Wirtschaftsprüfern an. Ziel ist "die Entwicklung, Veröffentlichung und weltweite Verbreitung von Regelungen zur Erstellung und Offenlegung von Jahresabschlüssen".

Der Leiter der Bundeswertpapieraufsicht (BWA), Thomas Goldmann, bedauerte das Fehlen einer verbindlichen Aufsicht für Rechnungsabschlüsse. Bei Anfechtungen sei derzeit nur der Weg über Zivil- und Strafgerichte möglich. Der europäische Verband der Wertpapieraufsichten werde in den kommenden Wochen Vorschläge in diese Richtung machen. (APA)

  • Artikelbild
    foto: photodisc
Share if you care.