Belgischer Dioxin-Skandal wird 8.000 Krebstote fordern

23. Februar 2001, 17:49

"Verseuchung in der zweiten Reihe" macht die Schreckensbilanz aus

Brüssel - Der Skandal um dioxinverseuchte Lebensmittel dürfte für viele Belgier tödlich enden. Wissenschafter von vier belgischen Universitäten rechnen mit bis zu 8.000 zusätzlichen Krebstoten als Folge der Krise vor zwei Jahren, wie Rundfunk und Zeitungen am Freitag berichteten. Auch Spätfolgen in Form von Lebererkrankungen und Problemen des Hormon- und Immunsystems sowie der Fruchtbarkeit seien zu erwarten.

Der Gehalt von giftigen PCB (polychlorierte Biphenyle) und Dioxin in der belgischen Nahrungskette sei auch zwei Jahre nach der Verseuchung im Jänner 1999 sehr hoch, warnen die Wissenschafter. Sie rechnen deshalb mit 40 bis 8.000 Krebstoten mehr als ohne diese Lebensmittelverseuchung zu erwarten wären. Frühere Schätzungen gingen von bis zu 4.000 zusätzlichen Krebstoten aus.

Die Experten hatten den Berichten zufolge Stichproben bei Schlachttieren und Lebensmitteln genommen. So wurden Hühner, Eier und Schweinefleisch untersucht. In allen Proben wurden erhöhte PCB- und Dioxinwerte gefunden. "Wir bezahlen unsere Kultur des Betrugs mit dem Weltrekord bei der Dioxinkonzentration und sehr hohen PCB-Gehalten", sagte Professor Nik Van Larebeke von der Universität Gent der Zeitung "Het Laatste Nieuws".

Fachleute sprachen angesichts der andauernden Verschmutzung von einer "Verseuchung in der zweiten Reihe". Ausgelöst wurde die Krise von verschmutztem Tierfutter. Nach früheren Berechnungen des Professors Alfred Bernard von der Katholischen Universität Louvain- la-Neuve standen 50 Kilo PCB und ein Gramm Dioxin am Anfang der Lebensmittelverseuchung. (APA/dpa)

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