Allein gegen die Hölle auf Erden

27. März 2005, 00:59

Adam Sandler als "Little Nicky"

Wien - Die Hölle ist neuerdings ein Ort für ganz irdische Späße. Mit hämischer Freude erinnert man sich an den Teufel aus South Park zurück, der mit Saddam Hussein so lieblich im Bett kuschelte. Little Nicky weitet die Skala des obszönen Scherzes nunmehr weiter nach unten aus: Adolf Hitler muss darin - devot im Kostüm mit der Schürze einer Kellnerin - täglich antreten, um sich eine (ungeschälte) Ananas in den Hintern stecken zu lassen.

Der Topos der Hölle dient in Little Nicky, der jüngsten Nummernrevue des US-Brachialkomikers Adam Sandler, dazu, ins kollektive Unbewusste der amerikanischen Nation zu schauen. In den satanischen Tiefen geht es nämlich um das Wohl der Familie und damit auch um jenes des düsteren Reiches. Da ist ein übermächtiger Vater (Harvey Keitel), der die Thronfolge zwischen seinen drei sehr unterschiedlichen Söhnen nicht klären kann und sich dazu entscheidet, weiter zu regieren; zwei seiner Sprösslinge brechen daraufhin aus, um ihr Pandämonium nunmehr auf der Erde zu verwirklichen. Und so bleibt nur der ewige Underdog Sandler alias "Little Nicky", um Papa Teufel, der sich allmählich wortwörtlich auflöst, beizustehen.

Nicht dass man mit bisher Unbekanntem von Sandler konfrontiert würde - im Gegenteil, nach dem etwas familientauglicheren (und daher wirklich blöden) Big Daddy, besinnt er sich wieder auf seine Wurzeln aus der Comedy-Show Saturday Night Live: Trotz Daunenanoraks immerzu fröstelnd tritt er seinen Weg in die Selbstentfaltung an, schlummern in ihm doch infernalische Kräfte. Diese offenbaren sich aber nur über einen (sehr menschlichen) physischen Lernprozess.

Tarantino fegt

Als Lotse durch profane Widrigkeiten steht ihm dabei Mr. Beefy, eine sprechende Bulldogge, zur Seite, welche zumindest im Original die weitaus besten, weil wirklich tiefen Sager hat. Andere Gefährten beziehungsweise Widersacher wie ein an Beavis & Butthead angelehntes Heavy-Metal-Duo oder Quentin Tarantino als blinder Straßenprediger sind dagegen bloß bemühte Draufgaben.

Fraglos hat Little Nicky einige sehr komische "gross-out-moments", zum Teil noch mithilfe von Special Effects verstärkt, wie auch die obligatorische Romanze, deren fehlende Attraktivität Patricia Arquette sichtlich genießt. Aber anders als in den Komödien der geistverwandten Farrelly-Brüder, deren Genreübertretungen auch einen gesellschaftspolitischen Effekt haben, verpufft bei Sandler jeder subversive Furor bald wieder - ein Regisseur wie Steven Brill, der schon in anderen Sandler-Vehikeln als Schauspieler mitwirkte, ist hier nur der Handlanger eines Stars, der sich offenbar selbst genügt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 2. 2001)

Von
Dominik Kamalzadeh


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LittleNicky
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