Besessen von der Idee von Systemen und Codes

20. Februar 2001, 11:52

Eine Frau zwischen Tod und Leben: Das live movie "The Swan Tool" der Videokünstlerin Miranda July in der Kunsthalle Exnergasse. Heute

Die Videokünstlerin Miranda July kombiniert in ihrer Arbeit "The Swan Tool" Video, Musik und Helium, um die Geschichte einer in einer Versicherungsgesellschaft arbeitenden Frau zu erzählen. Als Lisa kann sich Miranda July weder für den Tod noch für das Leben entscheiden. Sie gräbt ein Loch in ihren Hinterhof um sich selbst zu begraben - und scheitert.

Das Video gleitet zwischen der erzählerischen cinematographischen Qualität und kühler Abstraktheit. DJ Zac Love's Musik belebt Julys Performance. Seine Experten-Mischung und sein Sampling sind die fehlende dritte Dimension in dieser komplexen Geschichte einer Frau, die wartet, auf Erden zu leben zu beginnen.

Die vielseitige junge Künstlerin aus Berkely, die seit einigen Jahren in Portland lebt, wurde zunächst durch ihr Big Miss Moviola- Projekt bekannt, in dem sie in einer Art virtuellem Kettenbrief Video-und Filmarbeiten von Frauen sammelte, die bisher nicht an die Öffentlichkeit gelangt waren. Dadurch brachte sie bisher über 100 Videos in Zirkulation.

Sie selbst zeigt sich in ihren Arbeiten besessen von der Idee von Systemen, Codes und deren willentlichen oder willkürlichen Aufrechterhaltung. Mit subtilen Methoden höhlt sie diese Systeme aus, beraubt sie ihrer Bedeutung und läßt sie damit mutieren und zusammenbrechen. In den letzten Jahren erlangte sie durch ihre Videos und ihre Performance "Love Diamond", in der sie selbst neben ihrer Performance das eingebaute Soundsampling mixte, sowohl in den USA als auch international Anerkennung. (pd)

MIRANDA JULY: "The Swan Tool" - 20.2.2001, 19.30 Kunsthalle Exnergasse, Währingerstraße 59, 1090 Wien
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