Mit Zertifikaten statt mit Fonds um die Welt

18. Februar 2001, 20:18

Investmentvehikel für Private, die sich an Branchen orientieren wollen

Wien - Vierundzwanzig Stunden globaler Aktienhandel ist zwar noch Zukunftsmusik, investieren in global zusammengefasste Branchen ist aber schon etabliert. Der überwiegende und weiter wachsende Teil des Kapitals, zeigt eine Studie von Merrill Lynch (siehe Grafik), orientiert sich an Sektoren, nicht mehr an Ländern.

In Europa hat diese Entwicklung auch der Euro zusätzlich beschleunigt. Der Boom an Branchenfonds - Pharma/Gesundheit, Biotechnologie oder Medien - zeigt deutlich diese neuen Autobahnen der Kapitalströme.

Diesem Trend folgen auch die neuen Investmentprodukte. Jüngstes Beispiel ist die Kooperation von Merrill Lynch mit dem britischen Indexhaus FTSE. Die Briten berechnen jetzt elf neue Sektorindices, die rund 85 Prozent der gesamten Kapitalisierung einer Branche weltweit abdecken. Die einzelnen Unternehmen, die in diesen Branchenspiegeln enthalten sind, werden nach Streubesitz - also nach handelbaren Aktien - gewichtet. Damit kein Unternehmen durch etwaige Kursveränderungen und durch seine Größe übermächtig wird, ist die Gewichtung mit zehn Prozent limitiert, wie Merrill-Lynch-Analyst Alex Ypsilanti erklärt.

Große und Kleinere

Die elf berechneten Sektoren sind Autos, Banken, Grundstoffindustrie, Energie, Finanzen, Investitions- und Konsumgüterindustrie, Medien, Pharma, Technologie, Telekoms und Versorger. Institutionellen Investoren offeriert Merrill Lynch auf dieser Basis verschiedenste Trading-Ideen und praktisch die gesamte Palette derivativer Produkte.

Privatanleger können in Zertifikaten auf die Sektoren investieren. Merrill Lynch garantiert einen permanenten Markt, demnächst sollen sowohl einzelne Sektor-Zertifikate also auch "best of sector"-Zertifikate angeboten werden. Die Produkte haben sieben Jahre Laufzeit. Im "best of" sind die Sektoren zu Baskets (Gruppen) zusammengefasst, nach Beendigung der Laufzeit werde das Zertifikat gewichtet: Der bestperformende Basket kommt zu 42 Prozent in die Berechnung, die Nummer 2 zu 33 und die Nummer 3 zu 25 Prozent. Mindestveranlagung und Stückelung sind 100 Euro je Zertifikat. Je zwei Calls und ein Put je Sektor mit 15 Monaten Laufzeit werden zudem erhältlich sein. Es werde ein Ausgabeaufschlag von zwei Prozent auf das Veranlagungsvolumen berechnet, erklärt Isolde Regensburger, Produktverantwortliche bei Merrill Lynch, die derzeit mit den Banken in Österreich zwecks Vertrieb verhandelt.

Regensburger rechnet damit, dass die Zertifikate Privatanleger anlocken, die statt Branchenfonds mit fünf Prozent Ausgabeaufschlag aktivere Produkte suchen.

Für das Indexhaus FTSE sind die neuen Produkte ein Riesenschritt im Gefecht um die Vorherrschaft der Indexhäuser. Die Konkurrenten sind: Dow Jones und Morgan Stanley. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 2. 2001)

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    foto: photodisc
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