"Von uns gibt sich niemand her"

12. Februar 2001, 17:11

Franz Bittner ist Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse und steht damit an vorderster Front bei der Diskussion um eine Reform der Sozialversicherung.

Wien - Franz Bittner ist Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse und steht damit an vorderster Front bei der Diskussion um eine Reform der Sozialversicherung.

Standard: Hat Sie der Herr Sozialminister schon gefragt, ob sie Präsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger werden wollen?

Bittner: "Nein, und ich würde es auch nicht tun.

Standard: Warum nicht?

Bittner: Weil die Vorgangsweise der Bundesregierung indiskutabel ist. Für mich ist Hans Sallmutter der Präsident. Es würde sich von uns niemand hergeben, den Fußabstreifer der Bundesregierung und vor allem der FPÖ zu machen. Welche Möglichkeiten hätte Sallmutter angesichts des Defizits gehabt? Etwa, mich als Kassenobmann aufzufordern, das Krankengeld nicht ordentlich zu bezahlen oder die Arzthonorare nicht mehr zu überweisen? Wenn man die Krankenkassenbeiträge so wie die Autobahnvignette übers Jahr gerechnet um 500 Schilling erhöht hätte (derzeit zahlen Arbeitnehmer dafür höchstens rund 1500 S monatlich, Anm.), dann gäbe es in den nächsten zwei bis drei Jahren kein finanzielles Problem.

Standard: Könnte es nicht passieren, dass der Sozialminister seine Parteifreunde einsetzt, weil alle infrage kommenden Sozialdemokraten abwinken?

Bittner: Ich denke, dass man sich an das Ergebnis der Arbeiterkammerwahl hält. Daraus geht hervor, dass ein Sozialdemokrat den Hauptverband als Präsident führen soll.

Standard: Dass Reformen notwendig sind, darüber herrscht aber Konsens, oder?

Bittner: Ja, aber das sind Reformen des Gesundheitswesens insgesamt. Wenn man etwa bedenkt, dass sich die Industrie durch immer stärkere Rationalisierungen den Beitragszahlungen entzieht, dann wären wertschöpfungsbezogene Abgaben gerecht. (Martina Salomon/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 2. 2001)

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    foto: standard/cremer
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