Der Weg vom Gen zum Menschen

11. Februar 2001, 17:51

Die im Computer aufgereihte Erbgutsequenz sagt nur soviel über den Menschen aus wie ein Stadtplan über eine Stadt.

Wien - Jeder Organismus - und somit auch der Mensch - ist viel mehr als die Summe seiner Gene. Die im Computer aufgereihte Erbgutsequenz sagt ähnlich wenig über den Menschen aus wie ein Stadtplan über eine Stadt. Allerdings muss man vorsichtig sein: Mit der Veröffentlichung der Genom-Daten des Menschen ist der "Plan" selbst zwar unvergleichlich genauer als bisher, lässt aber noch die meisten Wünsche (Funktionen) offen.

Doch wahr ist: In jeder Körperzelle besitzt der Mensch rund 30.000 Gene. Das sind Baupläne für die verschiedenen Eiweiße (Proteine), den Werkzeugen und Bausteinen des Körpers.

Aus einer winzigen befruchteten Eizelle kann sich nur deshalb ein erwachsener Mensch mit all seinen verschiedenen Organen entwickeln, weil die einzelnen Gene jeweils zu bestimmten Zeiten und Orten angeschaltet sind und die Zelle nur dann die entsprechenden Proteine produziert.

So besitzt zwar auch jede Fingerzelle ein Gen für die Augenfarbe des Menschen, es ist dort jedoch nicht aktiv. Generell sind die meisten Gene die meiste Zeit abgeschaltet. Eine Erbkrankheit oder Krebs kann etwa entstehen, wenn der Schalter "klemmt" oder wenn defekte Gene zu Proteinen mit eingebauten Fehlern führen.

Ein Gen besteht aus einer langen Reihe von vier verschiedenen Bausteinen mit den Basen Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C). Für Genetiker beginnt ein Gen etwa folgendermaßen ATCCGCGTACTTTAGG... Ist ein Gen angeschaltet, dann erhalten die Eiweißfabriken der Zelle (Ribosomen) eine Abschrift davon und produzieren mit diesen genetischen Informationen eine entsprechende Kette aus Aminosäuren, die sich zu einem Protein faltet.

Die Proteine spielen die Hauptrolle im Stoffwechsel des Körpers. Sie zerlegen als Enzym die Nahrung in ihre Einzelteile, helfen beim Aufbau von Knochensubstanz und Fettpolstern oder verwandeln sich wie im Muskel selbst zu einem Teil des Körpers. Ein Gen als Bauplan zeigt den Forschern nur die Reihenfolge der Proteinbausteine, nicht aber die Struktur des Proteins, geschweige denn seine Funktion. Daher erfolgt die Hauptarbeit erst nach dem Entschlüsseln des Gens.(APA)

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    grafik: scientific american
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