Schönwetterphase im Tourismus

9. Februar 2001, 17:22

Hotellerie lässt magere Jahre nun hinter sich - die Investitionen steigen deutlich

Wien - Hoteliers und Gastwirte haben nun erstmals seit Jahren weniger Grund zum Jammern. Der konjunkturelle Rückenwind treibt nämlich Umsätze, Preise und Übernachtungen in die Höhe. Die Zahl der Insolvenzen ist 2000 zurückgegangen. Und ein niedriges Zinsniveau sowie Rationalisierungen beim Personal und im Angebot taten das Ihrige.

Nach aktuellen Erhebungen der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) ist in den letzten fünf Jahren der Umsatz um durchschnittlich sechs Prozent auf 17 Mio. S pro Betrieb gestiegen. Der Cashflow legte um 22 Prozent auf 2,2 Mio. S zu. Das neue Schönwetterszenario hat freilich auch einen Schönheitsfehler: Weil die Unternehmen wieder fleißig investieren, sackt die Eigenkapitalquote kontinuierlich ab. Hotellerie und Gastgewerbe sitzen insgesamt auf 37 Mrd. S Schulden. Da diese Erhebung nur Kredite über fünf Millionen S enthält, schätzt ÖHT-Chef Franz Hartl die Dunkelziffer im Gespräch mit dem Standard aber "auf mehr als das Doppelte".

"Zu emotional"

Das Problem bei den Investitionen: Die heimischen Touristiker neigen dazu, Geld "zu emotional" in ihr Haus zu stecken, so der Banker. Schön muss es sein, und am besten schöner als das vom Nachbarn. Das Bewusstsein für Investitionsrechnungen gehe darüber allzu oft verloren. Hartl empfiehlt deshalb dringend, über eine einfache Rechnung nachzudenken: "Einsparungen von zehn Prozent beim Bauen ersparen zwei Jahre schuften."

Das Negativszenario der mageren Eigenkapitalquote dominieren die (zu) kleinen Betriebe. Häuser, die weniger als hundert Betten vorweisen können - und dies ist das Gros -, schreiben hier ein Minus von elf Prozent. Bei der Kategorie der Häuser mit bis zu 200 Betten schaut es derzeit ziemlich ausgeglichen aus. Und die Über-200-Betten-Häuser können sogar auf durchschnittliches Plus von 16,4 Prozent stolz sein.

Ähnlich sieht es bei der Auslastung aus. Die Großen verzeichnen im Schnitt 188 Vollbelegstage, die Mittleren 176 - in den kleineren Häusern sind aber nur an 154 Tagen die Betten voll. Das Problem dabei: "Über die Auslastung wird die Schlacht geschlagen", so Hartl. Aus dieser gehen die Vier- und Fünfsternebetriebe mit insgesamt 29 Mio. Übernachtungen eindeutig als Sieger hervor. Das Dreisternesegment hält sich so lala, während die Ein- und Zweisternebetriebe von 22 Mio. Übernachtungen (1994) auf mittlerweile 14 Millionen abgestürzt sind.

Positives gibt es hingegen von der Insolvenzfront. Mit einer Quote von 1,41 Prozent steht die Branche derzeit sogar besser als die Gesamtwirtschaft (1,72 Prozent) da. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Printausgabe 10.2.2001)

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    foto: semotan
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